Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 3 (15.1.1873)
- Date
- 1873-01-15
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 — 20 — nia's aufhoren, sich für Halbgötter, Ihr Land als eine Walhalla zu betrachten, und alle anderen Menschen Barbaren zu nennen?" Unwiderstehliche Komik! Was hat denn das Versehen oder Vergehen eines Blattes mit der gesammten Nation zu schaffen? Hat jenes gefehlt, so strafe man es mit der ganzen Schärfe des Gänsekielschwertes; aber man lasse das Volk ungeschoren, welches von dem schweren Verbrechen der jüdischen Volkszeitung doch wahrhaftig keine Ahnung hat. Und wären noch wenigstens 'die Hundstage, so läge immer noch eine gewisse Erklärung für die komische Rage des Herrn Peltyn vor; oder sollte in dem Redactionslocale des „Israelit" sehr häufig eine Hundstagstemperatur herrschen, welche die fixen Ideen des Redacteurs desselben gegen Dentschland von Zeit zu Zeit unwiderstehlich zum hellsten Ausbruch bringt? Und die Moral von der Geschichte? Mögen Deutschlands Fürsten und Völker sich baldmöglichst nach einem anderen Domicil, welches nicht so nahe an die Redactionsbureaus des „Israelit" grenzt, umsehen! Denn daß ich es offen und bündig sage: Deutschland hat von Hrn. Peltyn Alles zu fürchten und Nichts zu hoffen! Und Sie, Herr Peltyn, gehoben Sie sich wohl! Machen Sie weiter in Ihrem Deutschenhaß, dem Sie bei dem geringfügigsten Anlaß so geschickt und unbändige Heiterkeit erregend Ausdruck zu geben verstehen! Fühlen Sie sich glücklich, recht glücklich dabei; so glücklich, wie es im Besitz Ihrer staatlich bevorzugten S!ellung Ihnen nur möglich ist. Klarksulil, d. 26. December 1872. Ich benutze die kurze Zeit der Weihnachtstage, während welcher es mir vergönnt ist, bei meinen Eltern und „fern von Geschäften" zu sein, um mich, angeregt durch die Lecture der letzten Nummern der „Jüdischen Volkszeitung", ein wenig neuerdings um die Interessen des Judenthums und speciell des deutschen zu kümmern. Weit brauchte ich nicht zu schweifen, um Stoff zu einem Briefe an Sie zu finden: — Ihr Bericht über die Delegirten-Versammlung der Alliance israelite universelle zu Berlin bot mir Anlaß genug zu Betrachtungen und Räsonnements eigener Art, welche, auch wenn sie den in Ihrem Berichte entwickelten Anschauungen vielfach entgegenstehen, doch vielleicht durch Verbreitung in Ihrem Blatte der Entwickelung des deutschen Judenthums in Etwas förderlich sein können. Zunächst und vor allen Dingen bin ich weit entfernt, der Neugründung „Israelitische Allianz" meine Sympathie entgegen zu bringen, nicht, als ob ich nur das Geringste gegen den Zweck des Vereins: „gleich der Alliance israelite universelle und in Verbindung mit derselben die allgemeinen Interessen der Juden wahrzunehmen, den moralischen und intellectuellen Fortschritt derselben zu fördern und bedrängten Glaubensbrüdern Hülfe zu gewähren" einzuwenden hätte, sondern weil ich die Nothwendigkeit: für diesen Zweck einen neuen Verein zu bilden, nicht nur nicht einsehe, sondern geradezu die Bildung des Vereins als der Erreichung des Zweckes hinderlich betrachten muß. Das klingt paradox und erfordert tiefere Begründung, welche im Folgenden ich zu geben versuchen will. Als ich im vorigen Jahre Veranlassung nahm, für das Zustandekommen des „Deutsch-israelitischen Gemeindebundes" zu wirken, war bei meinen Unterredungen mit den intellectuellen Urhebern des Gemeindebundes viel von der Stellung die Rede, welche der Gemeindebund zur Alliance israelite universelle einnehmen solle und müsse. Auch ich brachte damals gegen eine äußerlich enge Verbindung des Gemeindebundes mit der Alliance dieselben practisch-politischen Be^ denken vor, welche in der Sitzung am 10. d. M. von Herrn Dr. Makower geltend gemacht wurden. Dem entgegen wurde von der anderen Seite für ein enges Zusammengehen beider Vereinigungen die historische Bedeutung der Alliance und deren bedeutender Anhang in Deutschland in die Waagschaale geworfen. Nun, die Entscheidung darüber stand nicht uns zu, die wir damals über die Aufgaben des deutsch-israelitischen Gemeindebundes und seine zukünftige Organisation debattirten, sondern der constituirenden Generalversammlung des Bundes, welche inzwischen stattgefunden und auch über diesen in den Statuten des Gemeindebundes besonders erwähnten Punkt Beschluß gefaßt hat. Dieser Beschluß ist dahin ausgefallen, daß man von Seiten des Gemeindebundes die Zwecke der Alliance israelite universelle in jeder Weise fördern wolle. Wer aber aufmerksam die Aufgaben des Gemeindebundes aus seinen Statuten studirt, der wird mit mir finden, daß diese Aufgaben nicht nur die Zwecke der Alliance israelite universelle vollständig decken, sondern dieselben bei Weitem Überholen und überdies viel präciser ausdrücken, als dies in den Statuten der Alliance israelite universelle und auch in denen der neuen „Israelitischen Allianz" der Fall ist. Daraus aber geht weiter hervor, daß man die Erwähnung der Alliance israelite universelle in den Statuten des Gemeindebundes mehr als einen Akt der Pietät und der Anerkennung für dies Institut aufzufassen hat, denn als einen Beweis dafür, daß auch in Zukunft der Gemeindebund in den seither von der Alliance israelite universelle vorzugsweise behandelten Angelegenheiten auf jede eigene Initiative verzichten und sich lediglich auf eine Unterstützung der Alliance beschränken wolle. Vielmehr sind die Zwecke des Gemeindebundes io weitgehende, alle Interessen der Judenheit umfassende, daß naturgemäß die sehr begrenzte, nur nach einer Seite hin gerichtete Thätigkeit der Alliance in diesen Zwecken vollständig aufgeht. Daß aber der Gemeindebund