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Jüdische Volkszeitung · 1873-01-15 · 3 (15.1.1873) · p. Seite 18

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
3 (15.1.1873)
Date
1873-01-15
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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IS *=Sife“ Mit inniger Freude begrüßte ich darum das vor zwei Jahren in zweiter Auflage erschienene Gebetbuch des Herrn vr. Geiger. Ohne auf des Meisters Worte zu schwören oder etwa zu glauben, daß es nichts zu wünschen übrig lasse,* hat es doch namentlich durch seine negative Seite, durch Weglassung mancher jedem denkenden, von Vorurtheilen unbefangenen Israeliten anstößigen Stelle, durch kleine Aenderungen an mancher Gebctformel seine höchst ancrkcnncnswerthen Verdienste. Das jetzt unter Nedaction des Herrn Dr. Joel erschienene Gebetbuch der Breslauer Gemeinde hat manches von seinem Vorgänger im Amte mit Recht Ausgestoßene wieder ausgenommen. Die deutsche Uebersetzung, und wäre sie noch so schön und unfern jetzigen Anschauungen entsprechend, konunt durchaus nicht in Betracht, da sie im Gotteshause nicht verwerthet wird, überhaupt gar nicht als Uebersetzung, kaum als Paraphrase gelten kann,' denn sie läßt oft den Inhalt des hebräischen Textes ganz unberücksichtigt. Wir können uns darum bei unserer Beurtheilung ausschließlich nur an die öffentlichen (officiellen) hebräischen Gebete halten, und da müssen wir denn den unverkennbaren Riickschritt dieser Bearbeitung „des bislang eingesührt gewesenen Rabbiner vr. Geigerschen Buches" tief beklagen. Der Unterzeichnete aber gibt seinem Schmerzgefühl über diese betrübende Erscheinung einen um so entschiedeneren Ausdruck, als es leider auch in^^e^ger Gemeinde nicht an Mitglichexn fehlt, die unfern «icht ohneschwere^Kämpfe^ab^unt<L> des Höchsten Beistand mit Zugrundelegung der Principien des neuen Geiger'schen Gebetbuches cingesührten geläuterten Gottesdienst — durch Wiederherstellung der alten gewohnheitsmäßigen Gebetweise wieder verdrängen möchten. So sind denn folgende Blätter, so sehr auch ihr Inhalt überall beherzigt werden könnte, zugleich eine Oratio pro äoino, wir kämpfen pro aris atque locis. (Ao»ts«tz»mg foU\f-¥ * So konnte manches, das nicht aus principiellen Rücksichten, sondern nur der Kürzung halber meggelassen wurde, unbedenklich wieder ausgenommen werden. Manches andere, wie Geiger selbst in der Vorrede unumwunden sich äußert, entspricht einer geläuterten Anschauung durchaus nicht. Ich hebe beispielswe»se die in der 10. Benediction beibehaltenen dem Propheten Jesajas (27, 13) entnommenen Worte an d<^ damaligen Exulanten hervor: „L>toße in eine große Posaune zu unserer Befreiung." Ebenso müßte in dem Gebete „Abinu Malkenu" die bei Geiger 2ö^bei Joel 27> Bitte weggelassen werden, in der Gott nicht als oas sich stets gleichbleibende, gerechte, sondearals ein veränderliches, gleichsam dem Wechsel der Gemüthstimmung «wLaune unterworfenes Wesen dargestellt wird. Ebenso erstaune ich, ^>aß bei I. und G. das „Midath haraehamim hithgalgali“ im Nüilahgebet noch figurirt, das, wie in allen mährischen Gemeinden bekannt, bereits der vor 40 Jahren verstorbene hochorthodoxe Landesrabbiner M. Benet, weil es dem jüdischen Bewußtsein und Bekenntniß geradezu widerspricht, in geeigneter Weise modrficirt hat. Corrcsponäenz. Warschau, Anfang Deccmber. Ihr eben erst ins Dasein gerufenes Blatt, die „Jüdische Volkszeitung" hat sich gleich bei seiner Geburt einen furchtbaren Feind auf den Hals geladen und zwar in der Person des Herrn Peltyn, Redacteur des hier erscheinenden „Israelit." Was will der Herr von Ihnen? Sind Sie ihm persönlich zu nahe getreten? Sagt ihm die Tendenz Ihres Blattes nicht zu? Fürchtet er von Ihnen eine seinem Blatte nachtheilige Concurrenz? Fehlgeschossen! Schrecklicheres lastet auf Ihnen! Hören Sie und gehen Sie in sich! In der ersten Nummer Ihrer Zeitung haben Sie von hier aus die erfreuliche Notiz gebracht, die, wenn ich nicht irre, z. Zeit auch im „Israelit" nicht gefehlt, daß am hiesigen Appellationsgerichte zwei Israeliten als Advocaten angestellt worden sind, woran Sie in aller Unschuld die etwas lakonische Bemerkung geknüpft, daß dies ein Wunder der Zeit sei. Sie werden begreifen, Herr Redacteur, daß diese letztere Bemerkung ein unsühnbarcs Verbrechen sei, wenn Sie erst erfahren haben werden, daß schon jene einfache Meldung von Herrn Peltyn zu einem schauderhaften Vergehen gestempelt wird, dessen sich auch nur ein Deutscher schuldig machen könne. Wie nämlich schon früher einmal einem hiesigen Correspondenten der Allgemeinen Zeitunst des Judenthums gegenüber, so geräth auch in Folge Ihrer Mittheilung Hr. Peltyn förmlich aus dem Häuschen, poltert und pustet um sich, als handelte es sich um den Untergang Troja's, wirst sich majestätisch auf's hohe Roß und verkündet, pathetisch dcclamirend, seine und seiner jüdischen Landsleute Bescheidenheit und politische Glückseligkeit im glänzenden Gegensatz zu der Ruhmredigkeit und staatlichen Misere der deutschen Juden. Und wie sich einst Hamann nicht damit zufrieden geben wollte, Morderchai allein zu züchtigen, so begnügt sich auch Herr Peltyn, bei dem weiten Gesichtskreis, der sein Redactionsbüreau so vortheilhaft auszeichnet, nimmer damit, den Correspondenten oder die Redaction einer in Deutschland erscheinenden jüdischen Zeitung allein tödtlich ins Herz zu treffen, sondern will gleich der ganzen deutschen Nation mit den scharfen Pfeilen, die ungezählt seinem kühn geschwungenen Gänsekiel entfahren, den Garaus machen. „Schon wiederholt" — so ungefähr äußert sich in unmittelbarem Anschluß an Ihre Worte, der in edler Entrüstung oufwallende Herr Peltyn, — „haben wir die Herren von der jüdischen Presse in Deutschland darauf aufmerksam gemacht, daß wir in unserem Lande eine staatlich bei Weitem bevorzugtere Stellung genießen, (vielleicht als Erbschaft der polnischen Regierung) — als die Juden in Deutschland; daß wir aber mit derselben nicht prunken, uns ihrer nicht rühmen. V s* V.

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