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Jüdische Volkszeitung · 1873-01-15 · 3 (15.1.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
3 (15.1.1873)
Date
1873-01-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Wochenschrift Jüdische Volkszeitimg. lut1 t‘CU1ttlc ^«PtclTtinflen nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich l?1^ Ngr. in nn^ nn^ ^IfsIN> Inserate sind an die Berlagshandlung von - Job. Friedr. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von 'HItNgrnsNin in Angelheim, Preis der Sgesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des „Jsr. Lehrer" und des „Synodalblatt". No. 3. Leipzig, den 15. Januar. 1873. Inkakt: Wieder vom Cultus. — Correspondenzerr: Warschau, Marksuhl, Aus der Pfalz. - Rundschau. — Feuilleton: Die Tochter des Commerzienrathes (Fortsetzung). — Berichtigung. — Anzeigen. IDicdcr vom EuÜns. Januar 18 sä. /* Wieder vom öffentlichen Cultus! so höre ich rufen. Giebt es auf dem Gebiete des Judenthums sonst Nichts mehr zu ordnen, zu beseitigen und zu schaffen? So rief man bereits vor 50—70 Jahren, damals freilich mit viel mehr Recht. Denn es stand damals die Werkheiligkeit in voller Blüthe, und der Cultus des Formen-^und. Ceremonienwesens hatte das ganze religiöseLeben ÄsowMund verunstaltet. Nicht so jetzt, ein wro Jahrhundert später. Die nie abschließende Offenbarung, der lebendige Geist, der in der Weltgeschichte waltet, ist, zum Theil auch durch das Verdienst unserer jüdischen Theologen, über viele Formen und Ceremonien zur Tagesordnung übergegangen. Es gab und giebt freilich sehr viele Theologen, die Alles gehen lassen, wie es einmal geht; es gab und giebt aber auch Theologen, die, das Urtheil der gedankenlosen, gewohnheitsmäßigen' Masse nicht scheuend, mit Aufopferung ihrer Bequemlichkeit und Ruhe Bahn brechend^ in ihren Schriften und Reden aufgetreten sind. Das Haus, das Leben emancipirt und reformirt sich zum Theil auch durch sich selbst, da kann ungenirt sich Jeder nach eigener Ueberzeugung sein religiöses Leben beliebig gestalten. Nicht also der öffentliche Gottesdienst. Hier sind wir Glieder eines Ganzen, bilden eine gemeinsame Kette,* es kam^mcht Jeder sein Bedürfniß nach Andacht und Erbauung selbst befriedigen, seinen öffentlichen Gottesdienst nach eigener Ueberzeugung sich bilden. Darum lassen die Stimmen für Umgestajtung^und Veredelung des gemeinsamen Gottesdienstes immer^von Neuem hören. Dazu sind die Motive einer Reform jetzt noch ganz anderer Art; es ist nicht blos wie ehemals die Forderung der Kürzung, Vermeidung lästiger Wiederholungen, oder die Rücksicht auf die Aesthetik, die sich geltend macht; die Umformung der Gebete ist jetzt geradezu eine Principienfrage. Viele Stellen in unfern Gebeten widersprechen vollständig unserer besseren Ueberzeugung; unsre Begriffenen der Gottheit sind unbedingt vollkommener, als 7diÄin unseren Gebeten ausgesprochen^ sivdeu^As^t> Zeit mit den groben Anthrop omorphismen^zuEchen Ainl andres Unschickliche und Anstößige zu beseitigen. Ich beabsichtige nun bei Beurtheilung einiger der neuesten in jüngster Zeit in einigen der größten Gemeinden Preußens eingeführten Gebetbücher meine Ansichten und Ueberzeugungen auszusprechen, halte es aber für angezeigt, noch folgende einleitende Zeilen voranzuschicken. In unserer Zeit der Dampf- und electromagnetischen Kraft treten Städte und Menschen in weit schnellere und engere Verbindung als je. Die Unternehmungen einer Stadt , . auf industriellem und socialem, J>ie -JnsttUnionen einer. Gemeinde auf religiösem Gebiete teilen sich schnell eine*. andern mL. Es kann nichts Heilsames oder Verderbliches in der einen, zumal größeren Commune^eingeführt werden, ohne daß die andere daran participire oder in Mitleidenschaft hineingezogen werde. Verfasser dieser Zeilen hat als Haupt seines eigenen Familienkreises, als Lehrer der Jugend und Führer seiner Gemeinde mit so vielen seiner Collegen es sehr schmerzlich empfunden, daß unsere hebräischen Gebetbücher den geläuterten religiösen Anschauungen unserer Zeit durchaus nicht zusagen, an vielen Stellen unserer Ueberzeugung geradezu widersprechen.

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