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Jüdische Volkszeitung · 1873-01-08 · 2 (8.1.1873) · p. Seite 14

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
2 (8.1.1873)
Date
1873-01-08
Page
Seite 14 (sequence 6)
Language
German
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H das Volk Christ, so versteht es darunter Rumäne und umgekehrt. Es ist nicht gut, daß man unserm Heere die Söhne eines Elements vorsetze, das keinem Volke angehört. Er protestire gegen die Worte nichtchristliche Rumänen, pnd verlange die Abstimmung über das von ihm und Herrn Vassescu eingebrachte Amendement, das in der Section zu der sie gehören mit Majorität angenommen, aber vom Comits der Delegirten zurückgewiesen worden sei. Herr G. Chitzu erläutert die Conclusionen des Herrn N. Jonescu; dieser habe dem Berichterstatter für die in seinem Bericht ausgesprochenen Ideen, die Juden in der Armee avanciren zu lassen, tadeln wollen, damit diesem fremden Element keine Hoffnung durch das Gesetz gegeben werde; er, als praktischer Mann, habe sofort den Ernst der Sache eingesehen, und die Frage nicht vorübergehen lassen wollen, ohne daß die Kammer dagegen protestire. Herr Vassescu unterstützt das von ihm und Condrescu unterschriebene Amendement und schließt, das man den Juden (Jidani) durchraus nicht die Möglichkeit des Avancements lassen dürfe. Sie sollen nur Soldaten sein oder gar nicht, und trotz aller Forderungen der Cosmopoliten, welche in der Kammer sind (Herr Majorescu verlangt das Wort,) werde er das Amendement aufrecht erhalten. Der Kriegsminister ^erklärt, daß in dieser Frage er nicht derjenige sein werde, welcher das Avancement der Juden gestatten werde. Alle Rumänen müssen ihre Pflicht thun ihr Vaterland zu vertheidigen. In der Armee, auf dem Kampfplätze ist der Soldat der größte General. Man möge deshalb der Discussion ein Ende machen, und die Amendements welche jede Zweideutigkeit beseitigen sollen, bei Gelegenheit der Debatte über des Rekrutirungs-Gesetz Vorbringen. Fortsetzung der Discussion in der nächsten Sitzung. 5. Kammersitzung vom 23. Dec. Der Präsident verliest ein von mehreren Deputirten unterzeichnetes Amendement, ivonach beantragt wird, daß Niemand den Grad eines Corporals oder mehr soll erreichen können, der nicht, wie es die Constitution vorschreibt, rumänischer Bürger oder naturalisirt ist. Der Kriegsminister verliest den Artikel 2 aus dem organischen Gesetze vom 27. März, welcher ebenfalls besagt, daß nur Eingeborne oder Naturalifirte in der Armee avanciren können. Das beantragte Amendement ist daher überflüssig. Herr G. Bratiano beschuldigt den Berichterstatter den Ausdruck nichtchristliche Rumänen angewendet zu haben. Das ist ein Ausdruck, der aus der Fremde hereingebracht und jüngst m der Brüsseler Conferenz geschaffen wurde. Unsere Constitution erkennt keine einheimischen Juden an. Sie sind alle Fremde, und dürfen zu unserer Armee nicht gehören. kommen! Es wurde gesagt, daß man unter den Juden rekru tire: diese Rekrutirung ist ungesetzlich. Die Fremden dürfen nicht einmal Soldaten sein. Wir biirden ihnen keine Lasten auf, um ihnen keine Rechte zu geben. Wenn es solche fremde Elemente in der Armee gibt, so müssen sie entfernt werden. Die Juden sind keine Einheimischen, sondern Vagabonden. Selbst die rumänischen Soldaten sind unzufrieden darüber, daß es Juden in der Armee gibt, sie sind blos ein Element der Zwietracht und Sadowa hat ihren Werth dargethan. Ich fordere den Kriegsminister auf, keine Juden mehr auszuheben. Der Kriegsminister sagt, daß er durchaus nicht die Judenfrage aufs Tapet bringen wollte. Diese Frage ist nicht auf der Tagesordnung. Er bedauere, daß der Berichterstatter jene Worte gebraucht habe. Der Bericht aber berührt in keiner Weise die Judenfrage, welche Sie, wann es Ihnen beliebt, auf die Tagesordnung setzen können. Bei der Voti rung des Recrutirungsgesetzes, werden Sie die Quellen prüfen, woher wir unsere Soldaten nehmen, und dort können Sie den Sinn des Ausdrucks „einheimisch" präcisiren. Das Avancement in der Armee hat nichts mit der Frage zu schaffen. Es wird der Schluß der Discussion verlangt und angenommen. Feuikketon. Die Eocüter tlest ^ommer2ie,irr»t!ie.§. Novelle aus sder Gegenwart von I. (Fortsetzung.) Wochen waren vergangen. Eine trübe unheimliche Stimmung herrschte im Hause des Coinmerzienraths. Jeder gemüthliche Zusammenhang in der Familie hatte naturgemäß aufgehört, Nur im Herzen Semmi's keimte mit seiner fortschreitenden Genesung auch ein neues, frisches Leben auf. Er war ganz wie verändert. Ernst und strebend im Geschäfte wie immer, aber heiter im Gespräche und ün Umgänge, obwohl er noch nicht auszugehen pflegte. Er unterhielt sich, so gut es ging, am liebsten mit der alten Suse. Es schien ein ganz besonderes glückliches Geheimniß zu sein, über das diese Beiden stets und immer wieder mit einander zu verhandeln hatten. Wenn er dann auch zuweilen mit Bertha zusammentraf, so wechselte er mit ihr nur wenige Worte; aber diese wenigen Worte waren stets so inniger, herziger Natur, so sehr getragen von einem tiefen, warmen Gefühle, daß Bertha dann immer das Haupt wie betend neigte, so, als wollte sie den Segen empfangen und ein Gefühl des Glückes zog in ihr Herz, das so vereinsamt war in dem vornehmen Hause, aus Warum erlaubt es der Kriegsminister, daß Juden zur Armee! dem das Glück entflohen.

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