Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 2 (8.1.1873)
- Date
- 1873-01-08
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Reden, wenn man ihnen die Entstehungsgeschichte und das Wirken der Alliance israelite universelle u. s. w. erzählte; würde es sie nicht erfreuen, werrn sie, damit es doch an Bild und Beschreibung nicht fehle, die schönsten Synagogenbauten Deutschlands, den alten Prager Friedhof, hervorragende Glaubensgenossen u. s. w. vorgeführt erhielten, wenn man ihnen die in zahllosen Blättern verstreuten Gedichte jüdischen In- Halts, so weit sie schön und gut sind, veröffentlichte? Hier bietet sich ein weites Feld zu gedeihlicher Arbeit. Es fehlt nur an der tüchtigen Anregung, an Mitarbeitern wird kein Mangel sein. So möge uns das nächste Jahr den ersten Jahrgang ״Zu Chanukka" bringen. Dr. Emil Lehmann. Eorresponäenz. Komsturg v. ä. Koste, 1. Januar. Die Beschlüsse, die in Berlin gefaßt wurden, haben mich außerordentlich befriedigt: Verbindung mit der Alliance in Paris ohne Ab-! hängigkeitsverhältniß von derselben. Wie schön ist es, daß so | viele begabte und für das Judenthum begeisterte Männer; mehrere Tage lang eingehend die Sache besprachen, um ein! allseitig zufriedenstellendes Resultat zu erzielen. Daß die, Hyperorthodoxie schon wieder Front dagegen macht und die früher von ihr so lau behandelte Pariser Alliance so hoch; hebt, darf Niemanden wundern und irre machen. Es wirtu doch gehen, auch ohne ihre Zustimmung. Sie würden Ihre Leser sehr verpflichten, wenn Sie, denselben nähere Mittheilungen über dort und anderwärts aufgetretene hervorragende Persönlichkeiten z. B. Professor Dr. Lazarus, Moritz Kohner, die Dv. Makower, Neumann,, Meyer, E. Lehmann u. s. w. machen würde, ein Jeder würde sich gerne erwärmen an der Gluth die von diesen! Männern ausstrahlt. Man muß in jetziger Zeit nicht wenig Muth, Begeiste-; rung und Ausdauer besitzen um unbeirrt von der Gleich- ׳ gültigkeit der einen Seite und von dem Fanatismus der andren seinen Weg zu großen Zielen zu verfolgen. In unsrem Homburg tritt jetzt eine große Krise ein, da die Spielbank mit dem 1. Januar 1873 geschlossen bleiben muß. Unser Gemeinderath hat vollauf zu thun um den Uebergang in ganz andere Verhältnisse, so gut als möglich, zu ordnen, | es gilt zunächst der Fortführung der Kur-Etablissements, Besetzung vieler Stellen und Verwaltung eines Fonds von circa , 2 Millionen Gulden. Neben dem Kurdirektor und dem! Bürgermeister unserer Stadt hat der Gemeinderath noch drei seiner tüchtigsten Mitglieder in die neue Kur-Verwaltung gewählt. Es befindet sich darunter unser Glaubensgenosse, der!! klassisch gebildete Kaufmann W. Ackermann. Derselbe entfaltet! eine ungemein segensreiche Thätigkeit in seiner Stellung als; Gemeinderath, sogar seine Gegner müssen der Uneigennützigkeit,! Klugheit und dem Gemeinfinn desselben Gerechtigkeit wider-! fahren lassen. Hier zeigt sich wieder, wie nothwendig es ist,!und wie das Allgemeine nur gewinnt, wenn dasselbe die Kräfte aller seiner Kinder in Anspruch nimmt. — j Sehr klug war es von Lasker im Abgeordneten-Hause! so energisch gegen Gründer und Gründerwesen aufzutreten. Die! Welt soll es einsehen, daß die ordentlichen Juden es am!meisten bedauern und verabscheuen, daß bei diesen so oft! vorkommenden Gründungsblamagen so viele Leute unseres; Glaubens betheiligt sind. —! Die kürzlich von Ihnen erwähnte Bank in Frankfurt a. M.!ist wirklich begründet und — hat am Samstag geschlossen.! Alle Achtung vor einer solchen Consequenz! Ueberhaupt was die sogenannten Orthodoxen in Frankfurt betrifft, so sind das ganz andre Leute, wie die von anderswo. Sie verlangen nur ״nach einer andren Fayon selig zu werden", wie die dortigen Halb- und Ganz-Reformer, leben mit diesen in Frieden und find nicht fanatisch. Bei Diesen wie bei Jenen herrscht in Wohlthätigkeitsfragen aber eine Ansicht und ist immer Kis — lev vorhanden: Herz weit — Börse offen. Möchte es überall so sein, das walte Gott! L. L. Worms im December. (Unlieb verspätet). Am Sonntag den 8. d. M. fand dahier die Beerdigung des Dr. Lewino (von hier) unter großer Betheiligung aller Confesfionen statt. Dr. Lewino war meines Wissens der erste Jude, der in dem neuen deutschen Reiche eine hervorragende öffentliche Stellung — er war Gerichtsrath in Metz — einnahm. Einige Tage nach seinem Tode wurde seinen Angehörigen ein Decret übersandt, worin ihm eine nicht unbedeutende Gehaltserhöhung zugesprochen und die Aussicht auf weiteres Avancenrent eröffnet war. Herr Dr. Stein von hier, sprach in ergreifender Weise an der Bahre des Dahingeschiedenen über die Nichtigkeit alles Irdischen הכל הבל; und suchte mit den herzlichsten Worten Balsam in die Herzen der tiefgebeugten Angehörigen — Ettern, Geschwister und Gattin — zu träufeln. üundfcfiau. 2. Bielefeld, 22. Dec. Die ״Wests. Ztg." schreibt.׳ Der Regierungspräsident Delius aus Minden hatte im Auftrage des Ministeriums auch hier die Frage zur Erörterung und Erledigung zu bringen, ob das hiesige Gymnasium, bisher als ein ״lutherisches" betrachtet, in Zukunft ein ״confessionsloses" sein solle. Kürzlich fand denn unter dem Vor-