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Jüdische Volkszeitung · 1873-01-01 · 1 (1.1.1873) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
1 (1.1.1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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/ aber die Juden sind in Glaubenssachen individualisirt, ihre Religion ist kein Kirchenthum, nicht von einer Hirarchie geleitet; und selbst der Mainzer Israelit, der mit päpstlichem Eifer die Jnfallibilität des Remu und die Gottseligkeit des Koscherwein vercolportirt, der in seinen Tendenznovellen a In Bonlanden, den unter seiner Apropation mit Provencer Oel, statt mit Thierfett bereiteten Cichorien-Kaffee empfiehlt, läßt seine jüdischen Soldaten zwar nicht „trefes" essen, aber doch dürfen sie sür's Vaterland sterben. — Jüdische Interessen giebt es hier keine, denn seitdem die Spitzeder in München eingesetzt ist und wahrscheinlich neben dem heiligen Crispinus als Heilige glorificirt wird, kann man auch nicht mehr von specrfischen „Wucherjuden" reden; eine Mincha und Maarif-Bank ist hier nicht im Wurf, und „Franzefuß" spielen auch die Goijim; also nirgends jüdische Interessen. Selbst bei den Bürgerausschuß-Wahlen waren die Juden in zwei Lager getheilt, der „freie Wahlverein" und „die deutsche Partei" standen einander gegenüber, auf beiden Zetteln standen Juden; der Wahlvorschlag der deutschen Partei ging — und mit ihr Herr Alexander Pflaum aus der Wahlurne hervor. — ^Vor einigen Wochen starb überraschend schnell Oberkirchenvorsteher Chajim Henle Mitglied der israelitischen Oberkirchenbehörde. Ein ehrenwerther Charakter, der sich durch eigenen Fleiß eine Stellung im Leben errungen, die ihn zu den achtbarsten Industriellen des Landes zählen ließ. In seiner Jugend bereitete er sich für das Studium der mosaischen Theologie vor und hat sich das Interesse für jüdische Wissenschaft bis in seinen Tod bewahrt. Die israelitische Oberkirchenbehörde verliert in ihm ein intelligentes eifriges Mitglied. Au« Norääeutschkanä- Der Vorstand des israelitischen Lehrervereins für die Provinz Hannover scheint auch dieses Mal wieder in seinen alten Fehler — die Verhandlungen der am 20. October in Hildesheim stattgefundenen Lehrer- Conserenz todtzuschweigen, — verfallen zu sein. Die Wahrheit des Spruchs „Leben zündet nur am Leben" scheint derselbe durchaus nicht beherzigen zu wollen. So gestatten Sie, geehrtester Herr Redacteur, mir ein nachträgliches, darum aber auch nur kurzes Referat. Die Conferenz war von ca. 25 Lehrern besucht. Lehrer Lichtenberg aus Braunschweig hielt einen längeren Vortrag: „Ueber die Ursachen der häufigen Conflicte zwischen Lehrern und Gemeinden resp. Vorstehern, verbunden mit Erörterung der Frage: Was ist zur Bessergestaltung der jüdischen Lehrerverhältnisse nothwendig", welcher sich des allgemeinen Beifalls zu erfreuen hatte, so daß die Conferenz denselben aus ihre Kosten drucken zu lassen beschloß. An diesen Vortrag anlehnend, wurde eine, an alle Gemeinden zu versendende Resolution gefaßt, daß das Lehrgehalt in Anbetracht der bisherigen schlechten Besoldung und bei den gegenwärtigen Theuerungsverhältnissen durchgehends um 33 Vg °/0 erhöht werden müsse desgleichen ein Gesuch an das Landes-Directorium entworfen, die aus dem Provinzialfond für jüdische Schulzwecke bewilligte Summe in Zukunft direct den Lehrern nnd nicht, wie bisher gewöhnlich geschehen, den Gemeinden zufließen zu lassen. Außerdem wurden drei Lehrer mit Abfassung einer Petition an das Abgeordnetenhaus betraut, betreffs genügender Berücksichtigung der jüdischen Lehrer und Schulen bei etwaigem Zustandekommen des langersehnten Unterrichtsgesetzes. Der Vorstand, von meheren Lehrern unterstützt, empfahl sodann dringend den allseitigen Beitritt zum deutsch-israelitischen Lehrerverein, welcher Aufforderung die meisten der anwesenden Lehrer Folge leisteten. Der zur Conferenz erschienene Landrabbiner Dr. Mayer aus Hannover billigte die Beschlüsse der Conferenz behufs Bessergestaltung der Lehrerverhältnisse und versprach in warmen Worten die Unterstützung dieser Bestrebungen. Für den nächstjährigen Conferenzort wurde Göttingen gewählt, mit der Bitte an Herrn Schlesinger, dort für Verpflegung besser sorgen zu wollen, als solches in Hildesheim der Fall gewesen, woselbst die anwesenden Lehrer für Geld und gute Worte nichts erhalten konnten. Lanllau (Schluß). Auch Maimonides M. III. c. 33 und 49 und Chineuch z. St. erkennen dies wesentlich an. Den eigentlichen, das sittliche Leben, die Reinheit namentlich des Familienlebens, die schon in den Zehn Worten als ein Fundament des mosaischen Geistesbaues ^ausgestellt wird, tief berührenden Grund findet Maimonides, und wohl mit vollem Rechte, in dem ungehinderten, zwanglosen freundlichen Zusammenleben der Verwandten, wodurch die Sittlichkeit nicht gefährdet würde, wenn die Hoffnung der Ehelichung leicht von vornherein abgeschnitten wäre (l. l. c. 49.). Dieser Grund aber greift natürlich bei der kinderlosen Schwägerin mindestens ebenso, wenn nicht noch mehr Platz, als bei der Frau, welche von ihrem Manne mit Kindern gesegnet ist (daß dieselbe Befürchtung nicht bei der Schwester der eigenen Frau angenommen wurde, möchte bei der überhaupt stattfindenden frühen Verehelichung der Mädchen schon darin genügende Erklärung finden, daß sie der alten Sitte gemäß kaum das Haus des Vaters verließ, jedenfalls unter strenger Obhut gehalten ward). Wenn daher im 5. B. M. kurz vor dem Einzug in das gelobte Land — wir sehen hier natürlich von jeder bibl. Kritik ab — die Ehelichung der Frau des Bruders, wenn dieser kinderlos verstorben ist, empfohlen wird, so mußten mächtige Gründe dafür sprechen. Es dürfte kaum einem Zweifel unterliegen, daß die Rabbiner nur deshalb noch so manche Restrictionen aufstellen, und eine solche Ehe nicht bloß, wenn der Bruder keinen Sohn hinterließ, wie es die Bibel zu fordern scheint, sondern auch eine 3? 1

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