Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 1 (1.1.1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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1 die Wahrheit zu sagen, sondern zur rechten Zeit auch die! auf die Anträge nach erhöhter Selbstständigkeit eingehen und Wahrheit zu sagen; und diese Zeit scheint jetzt für uns ge kommen zu sein. War es unseren Gesinnungsgenossen nicht auffallend, daß es gerade oie orthodoxe Partei war, welche auf der Berliner Delegirtenversammlung der Alliance israelite universelle den status quo überall und durchaus aufrecht erhalten, in der Sache selbst nicht ändern wollten? War dies wohl blos der angeborene „conservative" Sinn dieser Rabbiner vr. Rahmer schreibt den Bericht in der „Israelitischen Wochenschrift" mit dem jubelnden Motto: ins4 'u -di Es lebe der Charakter, es lebe die Ueberzeugungstreue! Nun denn; auch wir freuen uns der unzerstörbaren Einheit Israels; wir schließen Niemand aus, bannen auch die nicht, welche uns in den Bann thun. Uns sind gewiß selbst Männer? Die Alliance israelite uulverselle hatte doch! die noch Juden, welche mit giftigen Worten und dem Geiste auch den „Ausschluß aller religiöser Parteifragen" im Princip! der Religion wiederstrebenden Thaten alle diejenigen verfolgen auf ihre Fahne geschrieben und die leitenden Personen in Paris glaubten sicher auch, diesem Princip gemäß zu handeln. Und doch?! Wir scheuen nicht, es einzugestehen, daß wir selbst wohl eine bessere Organisation für Deutschland anstrebten: aber wir waren auch zu der Versammlung mit dem festen Vorsatze geeilt, um für das Princip der Universalität einzustehen. Um so schmerzlicher war uns die Wahrnehmung, und ausschließen, welche freieren Sinnes sind, welche über Formen, Gesetze und Gebräuche nach ihrer heiligen, redlich erworbenen Ueberzeugung so ^urtheilen, wie sie es vor und ihrem Gewissen verantworten können. Uns seid Ihr noch Juden, obwohl Ihr die Gemeinden in Parteien zerspaltet, die Gesammtheit zerklüftet, fromme Männer in den Bann thut unEkynagogen zu —^Baalsteinpel stempelt! Wir daß es gerade jene Partei sein sollte, die an dem ungestörten denken eben, wie neulich eine fromme, geistreiche Frau uns Fortbestehen der seitherigen Einrichtung Interesse hat; denn, > schrieb, — man verzeihe uns das Witzwort in dieser ernsten das wissen wir aus reicher Erfahrung: — diese Männer kennen! Sache: — „Man kann auch ein braver, gemächlicher und nur ihr eigenes Interesse. Wir achten über Alles Ueber-! geistreicher Mensch sein, obwohl man jeden Dan ihuilim zeugungstreue, charaktervolles und unerschütterliches Festhalten legt!" — Wenn wir aber vor Euch treten und sagen: hur eines einmal eingenommenen, wohlbegründeten Standpunkts, — wir glauben nicht, daß alle Worte, Gesetze und Gewäuche treues Wirken für eine gute Sache! Aber, wie war uns! darum heilig und unverletzlich sind, weil sie alt sind! Vir denn! Woher diese Bekehrung? Waren es nicht gerade diese! halten auch den nicht für einen Sünder, oder gar als aus Männer und die Zeitschriften dieser Richtung, welche zur! dem israelitischen Verbände ausgeschlossen - der, um bei d- >n oben einmal angeführten Beispiele zu bleiben, die Lhefillin für eine durchaus unwichtige, vielleicht gar nicht auf jüdischem Boden erwachsene Form erklärt, — denn dm Worte de, Schrift, die dahin gedeutet werden, sind rein geistig aufzufassen. Wir halten den nicht für einen Sünder, der die rat mudischen Speisegesetze Übertritt, und deren Verbindlichkeit leugnet. Wir erachten die Abrogirung eines erschrecklich großen Theils der Sabbathgesetze für durchaus und dringlichst nochwendig, um diese Säule des Judenthums — den Sabbaih wieder zu beleben, zu vergeistigen und zu erhalten. Wir scheuen uns selbst nicht, Hand an Gebote zu legen, die Ihr Zeit ches Krieges die Annexion der Alliance zuerst anregten jmfr befürworteten? Die „Israelitische Wochenschrift" war es, die in No. 47 vom Jahre 1870 mit dem Motto: Noblesse oblige, — war es nicht Herr Rabbiner vr. Rahmer aus Magdeburg, der jenen Artikel geschrieben? — den Gedanken aussprach, oder wenn wir nicht irren, nach dem Organ der Hyperorthodoxie, der von vr. Hildesheimer in Berlin inspirirten „Jüdische Presse" nieder gab*), daß nunmehr die Leitung der Alliance a»f Deutschland übergehen müsse, was doch noch etwas gmz Anderes bedeuten wollte, als die selbstständige Organisction eines deutschen Zweigvereins. Wir bekämpften dieses V-rhaben damals (in als Thora's Mosche von aller Discussion ausgeschlossen No. 49 des „Israelitischen Lehrers" 1870) Und heute jubelt erklärt, wenn wir sie auch nur aus dem einzigen Grunde für die Orthodoxie in derselben „Israelitische Wochenschrift", vielleicht etwas zu früh — daß die „Einheit Israels" nicht zerstört, daß die Bestrebungen der „Berliner Reformer" zu nichts geworden, daß Alles in der Alliance beimAlten bleibt; _ derselbe Rabbiner vr. Hildesheimer tritt aus »er Berliner- Versammlung, sobald es den Anschein gewann, »an würde Einzelheiten sind uns nicht mehr genau in d ersinnein der Hattptsache sind wir sicher. unverbindlich halten, weil die Mehrheit der Bekenner des Judenthums „nicht mehr dabei bestehen kann", weil diese Mehrheit Gesetze und Gebräuche, die uns nicht religiös erscheinen, weil sie in uns nicht religiös wirken, eben für abfällig erklärt, so alt sie auch sein mögen. Werdet Ihr nun auch uns nicht ausschließen? Werdet Ihr uns auch dann noch für Israeliten halten und jenes Motto auf uns beziehen? Oder werdet Ihr uns, wenn wir so lehren und urtheilen, in den Bann thun, wie Ihr schon oft gethan habt? Sind k