Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1874-01-01 · 16 (1874) · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1873-1874
Issue
16 (1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/10555104-9578369-9578430--65-9578433
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

67 anzutreten*), — wir sagen, daß das Werk unter Lange's j Bearbeitung noch an Klarheit und in manch anderen Stücken j bedeutend gewonnen hat. Unsere älteren Leser erinnern sich! vielleicht aus früheren Nummern des „Jsr. Lehrer", wie wir j einst gegen Schmidt's sehr unglimpfliche Behandlung der! Israeliten zu unserem tiefsten Schmerze polemisch anstreten z mußten. Es war eben in Schmidt, trotz alledem eine mystische j Ader. — Wir können hier sagen, daß Lange's Bearbeitung jene ganz ungerechtfertigten Ausfälle möglichst vermieden hat. Die einzige Stelle, welche geblieben ist, lautet bei Schmidt: „Die Rabbinen sind die Repräsentanten des todten, erstarrten, z spitzfindig-kleinlichen, verschrobenen, geheimnißwitternden Judenthums, das fortan als „ewiger Jude" die Welt durchwandert und behandelt, — von dem der historische Genius gewichen ist, weil es nicht mehr dem Leben angehört, sondem nur als eine Ruine in der Geschichte der Gegenwart steht." Bei Lange aber lautet dieselbe Stelle nur: „Die Rabbinen sind die Repräsentanten des erstarrten und darum todten Judenthums." Und selbst diese Stelle steht gewissermaßen nur als Reminiscenz an Schmidt da, denn sie ist nicht im Zusammenhänge mit dem Ganzen und wird durch das darauf folgende geradezu ausgehoben — wie wir es von einem Lange nicht anders erwarten durften. So wird unter der Hand dieses Bearbeiters, der die Zeit und ihre Aufgabe begriffen, das j ohnehin hochstehende Werk durch Purificirung von mancher! mystischen Paradoxie noch bedeutend an Werth gewinnen und in der nächsten Auflage — wird wohl auch diese Stelle geschwunden sein. — Ferner liegt uns vor: Buch der Erziehung. Die Gesetze der Erziehung und des Unterrichts, gegründet auf die Naturgesetze des menschlichen Leibes und Geistes. Briefe an Eltern, Lehrer und Erzieher von Dr. Karl Schmidt. Zweite, vielfach vermehrte und verbesserte Auflage von Dr. Wichard Lange. (Cöthen, Druck und Verlag von Paul Schettler.) Es ist eigentthümlich, daß Schmidt trotz seiner schon oben erwähnten mystischen Anlage doch mit genialer Kraft diese Spinngewebe in seinen Erziehungsgrundsätzen zerrissen und der Erziehung die einzig naturgemäße Grundlage gibt: dem menschlichen Körper, als dem- Wohnsitz der Geisteskräfte. Darum hat man seine Pädagogik mit Recht vorwiegend die „anthropologische" genannt — und so hören wir ihn hier sprechen von der Erziehung „im Mutterleibe", der Erziehung der Verdauungs-, Blut- und Athmungsorgane, des Nerven-, Sinnes- und Bewegungssystems. Das ist ihm die Grundlage für die Erziehung der Temperamente des Denk-, und schließlich des Gefühls- und Wollensystems. Er vergleicht dann die Unterschiede in der Erziehung von Knaben und Mädchen, den *) Diesterweg's Rheinische Blätter und Schmidt's Werke: Individualitäten. Das Werk (554 S. 8°) ist eines der reichsten und bedeutendsten der Erziehungsliteratur und sollte von Niemand ungelesen bleiben, der mit Verständniß dem heiligsten menschlichen Berufe genügen will. Von „Deutschen Zeit- und Streifragen" von Holtzendorff und Onkel (Berlin 1873, C. G. Lüderitz'sche Verlagsbuchhandlung) sind ferner erschienen: Heft 29. Die altchristliche Moral und der moderne Zeitgeist von I. Kradolfer, Prediger in Bremen. Heft 30. Die Sicherung des Arbeiter- Vertrags von Dr. I. Landgraf. — Die „Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge^ von Virchow und Holtzendorff bietet in Heft 182, Corrodi (Winterthur), „Bums und Hebel als Volksdichter". 8 Sgr. — Heft 183, v. Seebach (Göttingen), „Centrak-Amerika und der interoceanische Canal". Mit einer Karte von Central-Amerika. 10 Sgr. — Heft 184, Schönberg (Freiburg i. B.), „Die Volkswirthschaftslehre". 7x/2 Sgr. — Heft 185, vom Rath (Berlin), „Der Vesuv". Mit einer Lithographie und einer Kreidezeichnung. 16 Sgr. — Heft 186, Seuffert (Augsburg), „Das Autorrecht an literarischen Erzeugnissen". 8 Sgr. — Heft 187, Perls (Königsberg i. Pr.), „lieber die Bedeutung der pathologischen Anatomie und der pathologischen Institute". 6 Sgr. — Heft 188, Adler (Berlin), „Der Felsendom und die heilige Grabeskirche zu Jerusalem". Mit 2 Lithographien. 12 Sgr. — Heft 189, Lissauer (Danzig), „Albrecht von Haller". 7X/2 Sgr. — Heft 190, Gmelin (Carlsruhe), „Christensclaverei und Renegatenthum unter den Völkern des Islam". 6 Sgr. Erzählungen aus der Weltgeschichte. Für die Jugend dargestellt von H. Herzog. III. Theil.*) Neuere Geschichte. (Aarau, Druck und Verlag von I. I. Christen 1873. Enthält gut gewählten nnd passend geordneten Lesestoff zur Geschichte aus der Zeit von Luther bis zur ersten französischen Revolution und wird zum Denken angeleiteten Schülern eine willkommene Ergänzung des Geschichtsunterrichts in der Schule sein. — Der Sprachunterricht in der Oberclasse der Volksschule. Die Behandlung des Lesebuchs, nachgewiesen an achtzig Lesestücken von A. Büttner. (Preis 18 Sgr. Berlin. Verlag von A. Stubenrauch.) — Wir haben in dem Buche ein Lesestück gefunden, worin der Herr dem Diener befiehlt, er solle nimmermehr ftagen: warum? Wir gestehen, wir können uns, für Lehrer und Schüler, nimmermehr zu dieser Anschauung — erheben. Wir lieben es, wenn die Schüler ftagen: warum? Wir würden den, der als Lehrer *) Der II. Theil ist uns nicht zugekommen. Wir bitten darum. Redaction.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.