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Der israelitische Lehrer · 1873-01-01 · 14 (1873) · p. Seite 59

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1873-1874
Issue
14 (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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59 daß die Schulandachten (deren zwei in der Woche genügten) gemeinsam sein könnten. In dieser Hinsicht wurde bemerkt, daß selbst in jeden Unterricht confessioneller Hader hineingetragen werden könne; ein Text aus bekannten Materialien zum Uebersetzen ins Lateinische fand wegen seiner Tactlosigkeit allseitige Mißbilligung. Für und gegen die Anstellung jüdischer Lehrer erhoben sich Stimmen; doch fand der Standpunkt des Ministeriums, jeden einzelnen Fall in sachlicher und persönlicher Hinsicht besonders zu prüfen, fast allgemeine Zustimmung." Wir müssen uns gestehen: wird oben von einem lateinischen, tactlosen lateinischen Texte gesprochen, so finden wir das ganze Gebühren der Herren nicht weniger tactlos. Haben wir es um deswillen so „herrlich weit gebracht" im neuen deutschen Reiche, daß an den „höheren" Schulen selbst nicht nach der Befähigung zum Lehramte, sondern nach der Confession — und zwar ausschließlich bei den Juden — gefragt wird; in Anstalten, wo der größte Theil des Unterrichts wohl mit dem sittlichen Rechtsbewußtsein — und haben so urtheilende Männer ein solches? — aber durchaus nichts mit der specifisch religiösen Anschauung zu schaffen hat? Ist das Gerechtigkeit? Doch wir vernehmen aus diesen Kreisen-noch Anderes. Da ist jüngst im Verlage von Teubner in Leipzig ein Schristchen von einem Ungenannten unter dem Titel „lieber nationale Erziehung" erschienen, das auf 231 Seiten i mehr des Unsinns, der Ungereimtheiten und erfahrungslosen! Fraubasereien enthält, als wir seit lange in einem Buche! von so mäßigem Umfange gefunden haben. Das hat unter j anderen Albernheiten folgenden auf die Juden bezüglichen Passus: j „Wir haben unter uns auch Genossen, welche in so' großer Anzahl vorhanden sind und an dem nationalen Leben! nach so vielen Seiten hin regen und einflußreichen Theil! nehmen, daß auch an dieser Stelle und in diesem Zusammenhänge nothwendig auf sie Rücksicht genommen werden muß, ich meine die Einwohner Deutschlands ursprünglich jüdischer Nationalität. Sofern es diesen mit ihrer von ihren Vätern überkommenen Religion Ernst ist und sie an den nationalreligiösen Anschauungen und der aus diesen resultirenden gesummten Welt- und Lebensauffassung festhalten, stehen sie mit unserer deutschen Nation trotz jener Theilnahme dennoch nicht auf! ganz gleichem Boden der Cultur, und je tiefer auch wir diejBe-! deutung unserer Religion für unser ganzes Culturleben fassen,! um so mehr werden auch wir diesen Unterschied als einen durchgreifenden zu empfinden das Recht haben. So weit, wie der hier festgehaltene Standpunkt von rechtgläubigem Dünkel und Intoleranz entfernt ist, versieht es sich von selbst, daß an dem gesammten Gymnasialunterricht, die Anerkennung seines höchsten Zieles vorausgesetzt, vollen Antheil zu nehmen, keinem Genossen jüdischer Nationalität verwehrt werden soll, wie es auch bisher nie geschehen ist; ebenso aber versteht es sich auch von selbst, daß deshalb etwa oder aus sonst einem Grunde den fremden Anschauungen in keiner Weise ein Eingang in jenen gestattet werden kann, die anzustellenden Lehrer also mit ihrem ganzen geistigen Leben der national-deutschen Cultur angehören müffen. Es ist das durchaus keine Feindseligkeit gegen die Andersdenkenden, sondern nur das vollkommen berechtigte und nothwendige Bestreben, das innere Leben unserer Schüler im reinsten, ungetrübtesten Einklang mit dem der Nation zu bewahren und zu entwickeln. Je weniger eS künftig auf bloßes Ueberliesern und Aufnehmen gedächtnißmäßiger Kenntnisse ankommen wird, je mehr der Unterricht die ganze Persönlichkeit des Schülers ins Auge zu fassen hat und darum auch vom Lehrer das Einsetzen seiner ganzen Persönlichkeit fordern muß, um so weniger kann es gleichgültig sein, ob bei diesem die Entwickelung und Ausbildung jener tiefsten Seiten des inneren Lebens in national-deutscher oder anderer Richtung stattgefunden hat, und diejenigen, welche fort und fort verkündigen, es sei nichts daran gelegen, ob das Latein oder die Geschichte von einem religiös so oder anders Denkenden gelehrt werde, werden entweder Angesichts der neuen Methode (d. h. der vom Verfasser entwickelten) des Unterrichts ihre Sprache .ändern müssen oder sich als solche documentiren, die entweder jene Methode noch gar nicht begriffen haben oder aber zu den Anhängern des oben bekämpften Lehrsatzes von dem rein persönlichen Charakter der Religion gehören. Von diesen letzteren wird es ohne Zweifel auch unter den Genossen jüdischer. Nationalität geben, und diese dürften vielleicht glauben, eher für die Zulassung als Lehrer an unseren Gymnasien geeignet zu sein. Diesen muß allerdings mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß sie, ob jüdisch oder christlich, protestantisch oder katholisch, gleichviel, als vielleicht scharffinnige und geistreiche, dennoch aber unverbesserlich flache Köpfe von unseren Schülern am weitesten fern zu halten eine heilige Pflicht der Schulen ist. Diesem, Vielen vielleicht anstößigen, Festhalten des national-deutschen Standpunkts als eines christlichen, in dem hier allein gültigen Sinne des Worts, gegenüber muß es nun aber auch als eine Schuldigkeit der Staaten und Städte angesehen werden, dem Bedürfniß der Genossen jüdischer Nationalität nach höheren Urterrichtsanstalten, weil sie an unserem staatlichen und bürgerlichen Leben so vielfach Theil haben, ebenso Rechnung zu tragen, wie. dem unsrigen, und somit überall, wo der Zahl jener Genossen und ihrer Durchschnittsbildung nach jenes Bedürfniß offenbar 'vorhanden ist, Gymnasien zu gründen, in denen die gesummte oben dargelegte Bildung der Schüler auf national-jüdischer Grundlage und von Genossen der jüdischen Nationalität durchgeführt wird." (Fortsetzung folgt.)

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