Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1873-1874
- Issue
- 10 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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nehmen wird (man übersehe dabei die gesteigerten und täglich steigenden Preisverhältnisse nicht). Klingt das nicht beinahe wie Ironie? — Und hast Du ein wackeres Weib und liebe Kleinen, dann, Du armes Schulmeisterlein, darfst Du beileibe nicht mucksen, sonst schwebt das dräuende Damoklesschwert der Kündigung über Deinem Haupte. Man verzeihe, wenn ich die Grenzen eines Referates hiermit überschritten und eigentlich nicht zur Sache Gehöriges über die Gebühr (?) erörtert habe; die Anwendung auf concrete Fälle überlasse ich jedem Collegen, dem diese nicht schwer werden wird. — Um so mehr thut dem ausharrenden Stamm des Lehrerstandes dem gegenüber das Eine und nur das eine Roth: Festes, compactes Zusammenhalten in all seinen Gliedern, gemeinsames Frontmachen nach Außen wie nach Innen, ein Regehalten des lebendigen Gefühls, einem größeren oder kleineren Ganzen anzugehören, weil der Einzelne, Alleinstehende sich so leicht verliert — man verzeihe den herben Ausdruck — in seiner Jsolirung verknöchert, versauert und verbauert. — Unsere Zeit erfordert und vertritt das Princip der Association, denn nur durch gegenseitige Solidarität und Vereinigung der zerstreuten Theile kann etwas Ersprießliches erzielt werden. — Also vor Allem: Pflege des esprit de corps und gewiß, es wird und muß unter und um uns besser werden, denn zur Hebung unseres Standes und Berufes, dazu ist in erster Reihe sein Träger widerspruchslos verbunden. Rach dieser etwas langen Abschweifung, die man im Interesse der guten Sache entschuldigen wird, zur Sache übergehend, möge den Namen derjenigen ein Plätzchen eingeräumt werden, die activ oder passiv an den Verhandlungen Theil nahmen. Es sind folgende: Baum-Rheine, Bendix-Dorstfeld, Bilstein-Lügde, Blumenau-Bielefeld, Braun-Stadtberge, Cramer- Reuenkirchen, Goldstein-Grevenbroich, Heine-Schildesche, Katzenstein-Warendorf, Kaufmann-Ahlen, Kronenberg-Bünde, Laser- Sendenhorst, Leeser-Pr. Oldendorf, Lippers-Beckum, Mandel- Lippstadt, Mansbacher-Gelsenkirchen, Meiersohn-Jssum, Oppen- Heim-Warburg, Ruben-Gütersloh, Sänger-Schwerte, Spier- Bocholt, Dr. Steinberg-Münster, Steinweg-Lengerich, Steinweg-Rheda, Treu-Münster, Wolfsdorf-Erwitte, Wulff-Ruhrort, Oppenheimer-Werl. Entschuldigt waren: Blumenfeld-Essen, Hermanns-Cöln, Kronenberg-Gesecke. Außerdem wohnten die Herren Gemeindevorsteher Meiersohn-Bünde und Löwenbach- Gütersloh der Sitzung bei. Unter dem Vorsitz des langjährigen, verehrten Präsidenten Blumenau, welcher die Anwesenden herzlich willkommen hieß und in kurzer, gehaltvoller Ansprache die Verhandlungen eröffnete, wurden dieselben durch eine gedrängte Uebersicht der Vereinsangelegenheiten, sowie des gegenwärtigen Vermögens der Unterstützungskasse eingeleitet, das sich auf die erkleckliche Summe von 7000 Thlr. beläuft, gewiß. ein günstiger und recht erfreulicher Stand nach 1^ jähriger Vertheilung von Beihülfen, deren Wohlthat schon mehreren Familien zu Gute kömmt. Erwägt man, daß gedachte Kasse am Schluffe des vorigen Jahres 58 Mitglieder zählte, von denen 15 ausgeschieden (durch Tod 5, Aufgabe des Lehrerfachs 3, aus Rheinland und Wesffalen verzogen 3, aus Deutschland ausgewandert 2, wegen Dienstunfähigkeit und Nichterfüllung statutenmäßiger Bedingungen je 1), so daß nur ein Bestand von 43 wirklichen Mitgliedern verbleibt, so muß das leidige Facit conftatirt werden, daß von den 150—180 Lehrern Rheinlands und Westfalens kaum der vierte Theil sich der Kasse angeschlossen hat. Lobende Anerkennung gebührt den Gemeinden, die das wichtige Institut durch feste, jährliche Beiträge in seinem Bestände fördern und sichern Helsen; es sind nachbenannte: Aachen, Ahlen, Bonn, Bielefeld, Bocholt, Bochum, Dortmund, Essen, Elberfeld, Gütersloh, Haltern, Kempen, Münster, Minden Neuenkirchen, Rheda, Linz a. Rh., Coblenz, Bünde, Steinheim — möge ihre Zahl stetig wachsen! Und somit sei diese heilige Sache, deren Prosperität außer allem Zweifel steht, den Collegen insbesondere, sowie den Gemeinden wiederholt aufs Wärmste zur thatkräftigen Unterstützung bestens empfohlen, und mögen jene mit ihrer Beitrittserklärung aus kleinlichen Bedenken nicht länger zögern; denn wie darf auf Mitwirkung seitens der Gemeinde gehofft werden, so der Lehrer ein laues Interesse bekundet. Erwähnung mag hierbei ein Schreiben des Herrn Rabbiner Dr. Schwarz in Cöln finden, in welchem derselbe die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Schädigung der Unterstützungskaffe in seiner Gemeinde entkräftet, vielmehr seine wärmste Sympathie ausdrückt und möglichste Förderung dem Vereine zusichert. In der als 2. Punct der Tagesordnung, vorzunehmenden Wahl dreier ausgeschiedener Vorstandsmitglieder und deren Stellvertreter: Blumenau-Ruben, Treu-Cramer, Goldstein- Hermanns wurden genannte Herren mit Stimmeneinhelligkeit wieder gewählt. Die Anträge Wolfsdorf-Mandel behufs Abänderung des Status, beziehungsweise des § 3 a, worin die Erwerbung der Mitgliedschaft vor zurückgelegtem 45. Lebensjahre erfolgen muß, ferner der §§ 4, 5 b und c, nach welchen die Mitgliedschaft mit dem Austritt aus dem Lehrerstande, sowie alle Rechte und Ansprüche erlöschen, resp. der Verzug aus beiden Provinzen jene aufhebt und dem Mitglieds die Hälfte der gezahlten Jahresbeiträge zustehen, fanden nicht ausreichende Unterstützung und mußten auch in Anbetracht durch event. Annahme, resultirender, endloser Weiterungen, sowie aus früheren, mehrfach erörterten Gegengründen abgelehnt werden. Das füllte so ziemlich die Vormittagssitzung aus; die am Nachmittage begann mit dem Referate des Hrn. Treu über