Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1873-1874
- Issue
- 10 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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44 die Lesebuchfrage. Ventilirt und eingehend besprochen ist dieelbe bereits in verschiedenen Specialconferenzen worden und beschränkte sich Referent in Hinweis auf diese Vorverhandlungen darauf, das von vielen Seiten anerkannte Bedürfniß eines zweckdienlicheren Lesebuchs für Mittelclassen im Anschluß an die Fibel nochmals zu constatiren und in allgemeinen Gesichtspunkten die Grundzüge des stofflichen Inhalts eines solchen kurz und bündig zu entwickeln. Das Material dazu liege fast druckfertig vor; nur frage es sich, wer die Garantie für die Fertigstellung übernehmen wolle oder könne, die Versammlung als solche oder Einzelne? In der sich anknüpfenden Diskussion einigte man sich in dem Beschlüße, die Frage vorläufig als eine offene zu betrachten und wurde der Vorstand beauftragt, mit dem zeitigen Herausgeber des Haester-Hecht'- schen Lesebuches, Hrn. Blumenfeld in Essen, in Verbindung zu treten mit dem Ersuchen, das genannte Buch einer Neugestaltung im angedeuteten Sinne zu unterziehen; ein Bericht über den Erfolg ist abzuwarten. Im weiteren Verlauf kam die Stellung der jüdischen Schule sowie der Seminarien zu dem zu gewärtigenden neuen Schulgesetze zur Sprache, dem gegenüber man nicht theilnahmlos oder unthätig verharren dürfe. Hervorgehoben wurde dabei das Gebühren der Herren Rabbiner Dr. Meyer-Hannover und Rector Horwitz-Berlin in der vom Herrn Cultusminister Dr. Falk berufenen Conferenz deutscher Schulmänner' zur Klarlegung dieser hochwichtigen Frage, beziehungsweise Jnformirung auf diesem Gebiete. Bekanntlich haben genannte Herren, wie die Zeitungen berichteten, mehr im particulären Sinne, pro domo — d. h. ihren resp. Anstalten das Wort geredet, als eine Wahrung des Gesammtinteresses in Bezug auf das jüdische Schulwesen documentirt. — Es sei vielleicht eine ersprießliche Einwirkung beim Herrn Cultusminister zu erhoffen, wenn in einer persönlichen Audienz die Lage der israelitischen Lehrer Preußens Sr. Excellenz dringend und warm ans Herz gelegt würde und in einer auszuarbeitenden Denkschrift, wozu jeder Anwesende statistisches Material zu liefern versprach, der Sicher- und Besserstellung der israeliüschen Schule und deren Leiter beredten Ausdruck zu geben. Die Versammlung glaubte in dem mit Applaus ausgenommenen Vorschläge keine geeignetere Wahl zu treffen, als wenn sie dem verdienten Präses Blumenau mit diesem Mandat betraue, die Wünsche der Versammlung dem Herrn Minister persönlich vorzutragen (selbstredend sind seitens der Versammlung die Kosten der Reise zu decken), was Hr. Blumenau, so kein Abhaltungsgrund zur Reise nach Berlin dazwischen trete, nach bestem Willen und Vermögen bereitwilligst zusagte. Wegen vorgerückter Zeit konnte das Referat des Herrn Treu über häusliche Schularbeiten einer eingehenden Besprechung nicht unterbreitet werden; im Princip jedoch erklärte sich die Versammlung mit den erläuterten Sätzen einverstanden, dahin gehend, daß die häuslichen Schulaufgaben aus sanitätlichen und anderen Rücksichten, besonders im zarten Kindesalter, auf ein Minimum zu reduciren seien. Der letzte Punkt „Kürzung des Unterrichts in einer einclassigen Schule" wurde mit dem vorigen von der Tagesordnung abgesetzt und als erst zu behandelnde Gegenstände für die künftige Conferenz festgestellt. Außerdem noch folgende: Ausarbeitung eines Vorbereitungscursus für die Confirmationsmit Einschluß der Barmizwahfeier, Referent Oppenheim- Warburg. Ueber eine würdige Gestaltung des Gottesdienstes in kleineren Gemeinden, Referent Steinweg-Rheda. In den darauf folgenden freien Besprechungen verlas der Präses ein Schreiben des Herrn Redacteur Klingenstein, worin derselbe sein lebhaftes Bedauern, nicht anwesend sein zu können, sowie seine Sympathie der Versammlung ausdrückte, ferner zur regeren Betheiligung an dem deutsch-israelitischen Lehrerverein und zur Haltung des Organs „Jüd. Volkszeitung" aufforderte, demzufolge mehrere Beitrittserklärungen zum obigen Verein erfolgten. — Herr Musikdirektor Lewandowsky in Berlin bewilligt, zufolge eines Gesuchs des Hrn. Blumenau, den Lehrern einen Rabatt von 25 °/0 bei direkter Beziehung seines verdienstlichen Werkes r6Em nn snp, so daß der Ladenpreis von 6 Thlr. jetzt nur 43/2 Thlr. beträgt. Es verdient dies um so mehr lobende Anerkennung, als, wie Hr. Lewandowsky sagt, die Herausgabe synagogaler Musikwerke durchaus kein materiell lohnendes Geschäft sei, zu dem die Verleger sich weit weniger herbeiließen, wie zu irgend einer anderen Composition. Zum nächsten Conferenzort wurde Schwerte bestimmt. — Nachdem der Vorsitzende ein Resumo der Verhandlungen gegeben und der Gemeinde Rheda einen warmen Dank für die wahrhaft gastlich-fteundliche Aufnahme, dem sich Referent von ganzem Herzen anschließt, bekundete, sei noch schließlich auf das schöne Einvernehmen des rnugister looi mit seiner Gemeinde hingewiesen, dessen Collegialität und Cordialität jeden Theilnehmer wohlthuend berühren mußte. — Und so dürfen wir, war auch die Versammlung an Umfang eine dev kleinsten, doch mit lebhafter Befriedigung und dem ftohen Bewußtsein darauf zurückblicken, daß das Band der Zusammengehörigkeit der mim mnx, ran«: rthwa tsmn von Neuem wieder fester geknüpft und immer enger und inniger alle Glieder des rheinisch-westfälischen Lehrervereins umschließen möge. Mit diesem aufrichtigen und herzlichen Wunsche schließend, rufen wir Allen ein frisches „Glückauf" zu; auf ein fröhliches- Wiedersehen und zahlreiches Erscheinen so Gott will in Schwerte! Das walte Gott! Oppenheimer. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur I. Klingenstein in Ingelheim. — Verlag von Johann Friedrch Hartknoch in Leipzig. » Druck von Heinrich Fischer & Co. in Leipzig.