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Der israelitische Lehrer · 1873-01-01 · 4 (1873) · p. Seite 19

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1873-1874
Issue
4 (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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besondere Behörde für Synagogen- und Schulwesen geschaffen war, errang seine Agitation und sachkundige Fürsprache für diese wichtigen Bildungsstätten eine solche Organisation, deren Grundcharakter noch heute nmstergiltig für alle ähnlichen Institute sein kann. Und, ihr biedern isr. Lehrer des Herzogthums! Wer war es, der euch Rath und Beistand lieh im beruflichen Leben, bei Uebergriffen, von welcher Seite sie auch kommen mochten, und der euch Muth einslößte, auszuharren auf dem dornenvollen Pfade der Schul- und Synagogen-Reform? Ihr jetzigen isr. Zöglinge des Seminars, ihr früheren, im engeren und weiteren deutschen Vaterlande, wie jenseijs des atlantischen Oceans! Ihr wißt es, daß er in Geradheit der Gesinnung, m der Liebe für unsere unvergleichliche deutsche Literatur, in der Begeisterung für ein lichtvolles Wirken im künftigen Berufe keinem eurer Vorbildner nachstand. Und wer war so im Stande euch in die Schachte tiefen jüdischen Wissens zu führen, wie er? Für die würdige Stellung des isr. Lehrers trat er überall ein, und so war er es auch, der (mit dem verdienstvollen Lehrer Klingenstein) in der letzten Leipziger Synode das Recht der Mitgliedschaft erkämpfte. Gleich warm schlug sein Herz für den meininger, für den deutschen Lehrerstand. So sehr er auch mit seiner Zeit geizen mußte, er zeigte jederzeit ein thütiges Interesse und auf allgemeinen und wichtigen Lehrertagen fehlte er nie. Blieb auch in den letzten Decennien seine Wirksamkeit von' bureaukratischen oder hierarchischen Nörgeleien nicht ganz unangefochten, so waren sie außer Stande, ihm die Freudigkeit im Berufe, sein wahres Verdienst und wirkliches Können zu schmälern. | Bescheiden, wie er selbst, war auch der äußere Verlauf seines Lebens. Er war der älteste Sohn eines schlichten, verständigen und wegen seiner unbestechlichen Redlichkeit im Kreise seiner Bekannten geschätzten Handelsmannes Moses Steinhard aus Waldorf a. d. Werra, der ihn früh in das zur damaligen Zeit auch von auswärts sehr frequentirte Institut des Privatlehrers und Rabbiners S. Gutmann brachte, das neben dem Pentateuch u. a. biblischen Büchern in der Ursprache mi* dem Commentar, etwas Mischnah mit Commentar rc. auch die deutschen Unterrichtsgegenstände lehrte bis zu seiner Consirmation (Lar mizwah), sodann „um weiter zu lernen" in die damals weltberühmte Talmudschule nach Fürth, wo er mit Einhorn, Hofmann u. v. A. sein Triennium absolvirte, selbstthütig auch an seiner allgemeinen Ausbildung arbeitend. In die Heimath zurückgekehrt, hospitirte St. im Landes-Seminar zu Meiningen unter Leitung des wegen seiner Lehrgeschicklichkeit und väterlichen Milde hochgeschätzten Schülers Pestalazzi's, des Schulraths Kayßner, ein halbes Jahr. Von da, ohngefähr ums Jahr 1826, wurde er für die hiesige Gemeinde gewonnen und hier am Sitze des Herzog!. Eonsistoriums, eines G^naasiums, Lehrerseminars, unter Collegen und Literaten und in einer ^ebilveten Gemeinde fand sein edler Wissensdrang für jüd. theol. philosophisches, namentlich auch sein literar-historisches Streben j und sein ungewöhnliches Dichtertalent, das sich später selbst der Würdigung des Weiinaraner Dichterkönigs zu erfreuen hatte, reiche Nahrung. Obwohl kein zunftgemäßer d. h. auf der Universität oder einem Predigerseminar herangebildeter Homilet, vielmehr einer „von Gottes Gnaden", waren seine Predigten doch in so vollendeter Form und von so erfassender Natur, daß sie oft wochenlang zu den lebhaftesten und interessantesten Debatten in den gebildeten Familien seiner Gemeinde Stoff boten, wie sie auch öfter durch die Anwesenheit von Consistorial- und Schulräthen gewürdigt wurden. Und wie hierin, so hatte sich sein sicheres Urtheil in wichtigen Schul- und Synagogen- Angelegenheiten der Beachtung seiner hohen Vorgesetzten zu erfreuen. Wie ernst er's mit der Verbreitung von zeitgemäßem isr. Wissen meinte, davon zeugt, daß er Anfang der 30er einen Lesezirkel für die besten neuern und neuesten Erscheinungen der jüd. Literatur gründete und jahrelang leitete, dessen Verbreitung und Betheiligung sich weit über das Herzogthum hinaus erstreckte. Aus seiner unbefangenen politischen Ueberzeugung machte er niemals Hehl. Als die Wogen von 1848 hoch gingen, warnte er eindringlich vor Ueberschreitungen, so daß selbst die bald darauf überall hervorbrechende Macht der Rnction ihm nichts anhaben konnte. Mit Arbeiten und Funktionen, meist schwach dotirt, reichlich betraut, wurde er, um seinen Heranwachsenden talentvollen Söhnen (einer ist jetzt gediegener Jurist im Staatsdienst, zwei sind intelligente Kaufleute und der jüngste oauck. philol. und ihrer Eltern würdig) eine wissenschaftliche Ausbildung geben lassen zu können, Anfangs der 40er Jahre ein fleißiger Mitarbeiter des großen Meyer'schen- Conversationslexicons und verfaßte viele historische, geographische, literargeschichtliche, kriegswissenschaftliche und jüdisch-theologische Artikel in erschöpfender und abgerundeter Form, wie auch die von der Kritik lobend hervorgehobenen Werke: „Deutschland und sein Volk", „Oesterreich und sein Volk" (Leipzig, Brandstetter 1856—60 4 Bände,) viele kleine Schriften: „Ostindien und die Europäer", „Skizzen und Bilder aus der Krim", u. a., viele Artikel im Ausland, der Leipz. Jllustr. Zeitung ihm ihre Entstehung verdanken. Zeugnisse seiner poetischen Begabung sind im „Deutschen Horizont von Saphir", in der „Didaskalia", in Fr. Hoffmann's (Redacteur der Gartenlaube) „Weihnachtsbaum", in den Musen-Almanachen niedergelegt. Die wichtigsten vaterländischen Ereignisse besang er nach Inhalt und Form in stets gelungener Weise. Dich-

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