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Der israelitische Lehrer · 1873-01-01 · 4 (1873) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1873-1874
Issue
4 (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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/ — 20 — terisch erhaben klingt sein beim. Ausbruch des jüngst beendigten französischen Krieges verfaßter „Gruß der Werra an den Rhein", der wohl als sein Schwanengesang angesehen werden muß. Der Entschlafene war ein Mann von seltener Conceptionsgabe. Stand eine Abhandlung, Predigt, ein Feuilleton- Artikel oder Gedicht klar in seinem Geiste, so konnte er es sogleich in rechter und abgerundeter Form zu Papier bringen, ohne später in Gedanken- oder Wortfolge etwas ändern zu müssen. Vermöge seiner' einfachen Lebensweise und der ihm gewordenen sorgsamen Pflege seiner ihm ebenbürtigen Gattin ist es erklärlich, daß diese schwächliche Körperhülle des Lebens schwere Kämpfe und Mühen sechs und ein halbes Jahrzehnt getragen. Ueberschauen wir nun die Laufbahn S. St.'s, so müssen wir bekennen: der Himmel hat ihm von einer hohen Warte einen beseeligenden Einblick ins gelobte Land gewährt. Wofür er als Jüngling sich und seine Umgebung zu begeistern wußte, wofür er als Mann sein Bestes einsetzte: für die völlige Gleichstellung seiner Glaubensgenossen, für die äußere und innere Hebung und Besserstellung von Schule und Synagoge, für einen allgem.deutschenLehrerbund, für ein einiges freies Deutschland und mit diesem allen für eine ehrenvolle und gesegnete Lebensstellung der geliebten Seinen —: das konnte er, bevor sich seine Augen schlossen, der Erfüllung entgegenreifen sehen. Daß seine Gemeinde, die Stadt und seine Berufsgenossen einen seltenen und ganzen Mann und Mitbürger, einen treuen und deutschen Collegen verloren, das zeigte sich bei seinem Leichenbegängnisse, an dem sich nicht nur jeder Stand ohne Unterschied des Glaubens betheiligte, sondern zu dem'auch der Herzogl. Landrabbiner, die isr. Collegen her entlegensten Gemeinden u. A. gekommen waren, ihm die letzte Liebespslicht zu erweisen. So wie in den Herzen aller, die ihm im Leben näher standen, wird der Name S. Steinhardt in den Annalen der Culturgeschichte der Israeliten des Herzogthums S. Meiningen unvergeßlich bleiben! Kkeinere-Mittkeilungen. Die Religionslehrerstelle zu Wörrstadt, welche in diesen Blättern inserirt wurde, ist dadurch vacant geworden, daß man dem mit Kindern stark gesegneten seitherigen Lehrer eben um deswillen mitten im Winter erbarmungslos kündigte. Bei der Aufnahme hat man darauf allerdings keine Rücksicht genommen; man dachte, sich eben darum nicht zu kümmern. Nun aber das nicht jüdische Publikum sich der bedrängten und bei dem erbärmlichen Gehalte darbenden Familie annahm, war seine Uhr abgelaufen. Einem Theile der jüdischen Gemeinde Wörrstadts, hoffen wir mit dieser Warnung einen Gefallen zu erweisen; man soll dort erklärt haben: Religionsunterricht sei — Luxus, oder auch alter, unnützer Plunder. Von dem toleranten Geiste des gesammten hessischen LehVerstandes mag es ehrendes Zeugniß geben, daß der Landeslehrerverein der über 1600 Mitglieder zählt, in seinen Ausschuß, der aus 12 Lehrern besteht und der vor Neujahr durch allgemeine Abstimmung gewählt wurde, zwei Juden und zwar den Lehrer Marx von Alsheim und den Herausgeber dieser Zertschrist wählte. Die jährliche Verwaltungssitzung der Achawa hat vergangenen Sonntag, den 5. d. M. stattgefunden. Wir werden auf den segensreichen Erfolg des vergangenen Jahres zurückkommen, sobald der Rechenschaftsbericht veröffentlicht sein wird. MustkakjAes. Generalbaß-Uebungen nebst kurzen Erläuterungen. Eine Zugabe zu jeder Harmonielehre, systematisch geordnet von Benedict Widmann, 3. Auflage. Leipzig, Verlag von C. Merseburger. Pr. 221/9 Sgr. Der Verfasser hat schon sehr viel Gutes und Nützliches auf dem Gebiete der Harmonielehre rc. geschaffen, und waren wir darum nicht überrascht, in vorliegendem Merkchen etwas für unsere Zeit besonders Geeignetes zu finden. Es kommt das Generalbaß-Spielen fast ganz außer Gebrauch, und doch ist dasselbe ein ausgezeichnetes Mittel, das Studium der Harmonie gründlich zu betreiben. Widmann's Werkchen gibt uns hierzu die beste Anleitung, und hat darum nicht umsonst schon seine dritte Auslage erlebt. Lieder für Schule und Leben. 4. Heft von demselben. Verlag das. Preis 41/2 Sgr. Eine schöne Sammlung 2- und Zstimmiger Lieder, bei welchen der Vortheil, daß die meisten 3stimmigen so gesetzt sind, daß sie auch 2stimmig gesungen werden können. Hosianna! Ein- und zweistimmige Gesänge aus dem 17. Jahrhundert. In Partitur gesetzt und mit Orgelbegleitung versehen von dems. Verlag das. Preis 15 Sgr. Die Sammlung wird Allen, welche für ältere Kirchenmusik sich interessiren, sehr willkommen seiir. Wir wünschen nur, daß der verdienstvolle Herausgeber uns recht bald derartige Gesänge im 4stimmigen Satz bringen möge. Arion. Sammlung 1- und 2stimmiger Lieder und Gesänge mit leichter Pianosortebegleitung bearbeitet von Bernhard Brähmig, 1. Heft (3. Aufl.) II. Heft (2. Aufl) Preis ä 10 Sgr. Verlag daselbst. Es sind diese Gesänge aus dem „Liederstrauß" für Töchterschulen von demselben Verfasser ausgezogen und mit Clavierbegleitung versehen, um sie im Hause besser verwerthen zu können. Eine sehr schöne Sammlung und gut ausgestattet. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur: I. Klingenstein in Ingelheim. — Lerlag von Johann Friedrich Hartknoch in Leipzig. Druck von Heinrich Fischer & Co. in Leipzig.

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