Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 146)
- Language
- German
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132 .Drei Maler“. fesselnder Akzent liegt auf diesen; als wären sie alle diese geschäftig den Marktplatz füllenden „Bürger“ nur Schlagschatten menschlicher Existenzen. Zu ehrlich und zu unbeholfen, um die Elemente seiner Kunst sich aus fremdem Gute zurechtzulegen, verfällt er trotz einer gewissen Wandelbarkeit seiner Gestaltungsart nie in klüglich wählenden Eklektizismus. Zu wenig intellektueller Doktrinär, strafft er die von Anderen bereits zu fest ausgebildeten Schematen herausgetriebene Disposition seines eigenen Kunstbereiches nie zu prinzipiell durchgeführten Bildungen. Was könnte man nicht alles in seiner Kunst finden? „Expressionistisches“, „Kubistisches“ und wem es just darum zu tun ist, auch „Futuristisches“. Letzten Endes ist es in konsequenter Ausprägung keines von allen. Und doch, wenn ihn in höchsten Momenten eine Welle impetuosen Dranges emporhebt, gelingen ihm Werke von völliger Geschlossenheit des Aufbaues und der Einzeldurchbildung. Eine hieratisch-strenge Symmetrie beherrscht sein „Abendgebet“ mit dem betenden Juden und den vom Himmel herablangenden Händen, von einem Himmel mit naturferner Abendröte, hinter der Ewigkeitstöne erklingen, von der machtvollen Getragenheit altchristlicher Mosaiken. Welch glücklich bilhafte Fassung erhält oft ein zum „Bilde“ gewordener „Gedanke“. Zwischen Grabsteinen sitzt ein Lebensmüder mit zynisch-spöttischen Zügen, schlaff, lang, überlang hängen seine von der Verwesung! schon berührten Hände herab, als zöge sie mit unwiderstehlicher Kraft die Schwere der Erde zu sich. Ueber die beschränkte Enge dieses visuellen Ausschnittes unseres Erdballs führen ausser der mässigen Rundung des dargestellten Terrains Bilder von düsterer Glut hinaus, die hinter dem Rücken des Sitzenden vorübergleiten, Sinnbilder des Lebens und des Todes, tanzende Paare und zu Grabe getragene, .Bilder, die den Elick führen zu weiten Einsichten in den Sinn alles Lebensi auf dem rollenden Rund dieses Erdballes. „Alles ist eitel“, nennt er dies aus sicherem Gefühle und visionärer Schau einheitlich gewordene Bild. Woran liegt es, dass selbst Allegorien, gedankliche Fassungen von Beziehungen bei ihm mitunter die Ueberzeugungskraft anschaulicher Unmittelbarkeit gewinnen? So im Bilde „Das Erwachen des Frühlings“. (Dieses und das unmittelbar vorher besprochene Bild hingen unbeachtet und unverstanden auf der diesjährigen Ausstellung des hiesigen Kunstvereines). Auf dunklem Erdreich, es riecht nach dem frischen Brodem triebkräftiger Säfte, sie haben schon ein Büschel smaragdgrünen Grases emporspriessen lassen, auf dunklem Erdreich sitzt sehnenden Blickes ein Mädchen. Von einem unbekannten Verlangen überwältigt, vergräbt hinter ihr ein Jüngling sein Haupt in die auf die Kniee gestützten Arme. Aut goldenem Gewölke (zum ersten und einzigen Male ein Lichtstrahl seligen Jubels in Lerners düsteren Bildern), tummeln