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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 131

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 131 (sequence 145)
Language
German
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IRI
…/7938572-9582826--146-9575490
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.Drei Maler“. 131 und stumpfen dunklen Farben hat er seine ersten Bilder gemalt, im Zuge seines Werkes bevölkerte sich die Welt seiner Farben mit neuen Tönen, zumeist bläulichen und schwefelicht gelten, die in seinen allerletzten Bildern in inniger Gedrängtheit hinüber und herüber wallen und auf dem Inkarnate seiner zumeist nicht glücklichen Menschen ein schillerndes Dasein führen. Eine urwüchsige Kunst, nicht genährt von dem Reichtum alt überlieferter, ausgeschliffener Formen, geboren aus der Intuition eines von allerlei Gesichtern Heimgesuchten, der über sie oft ins Grübeln geriet. Dann bannt er von geheimnisvollen Schauern umwitterte Augenblicke auf die Leinwand, Darstellungen, denen zumeist das Gesuchte „literarischer Themen“ nicht anhaftet, dem er aber zuweilen gerade wegen seiner unreflektierenden Naivität wider Wissen und Absicht nicht ganz entgeht. Ein Menschenpaar blickt, in dumpfes Brüten verloren, in seiner „Schweren Stunde“ vor sich hin. Wie bunte Schleier schieben sich ungewöhnliche Farben von kalter Buntheit über beide und tief im verborgenen Grunde lauert, umwoben von farbig schillernden Hüllen, ein sphynxartiges Gebilde, das Verhärgnis. Ohne Rechenschaft und Selbstzucht folgt er dem Impulse der jeweils gebietenden Stunde und schafft eine Fülle verschiedenartiger Gebilde, die auf den ersten Blick nichts Gemeinsames mit einander verbindet. Einen Hexentanz, er benennt ihn „Prostitution“ (aus dem Blickpunkte seiner sozial gerichteten Gesinnung, die aus seinen Bildvorwürfen ihre scharfen Proteste oft sehr wahrnehmbar hinausschreit), ln dichter Verknäuelung räkeln ausgemergelte Dirnen ihre verschlungenen Glieder, abschluss- und raumlos dehnen sie sich hin, beleckt rvon teuflischen Lichtern des Höllenpfuhls. Daneben ein Bild' von herber, duftloser Schönheit, gemalt mit der treuherzigen unbeholfenheit einer vor der Darbietung des Intimsten sich scheuenden Hand, es ist ein Bildnis seiner Schwester, von dem gerade wegen seiner Primitivität eine schier klassische Ruhe ausgeht. Dann wieder, es heisst „Sabbathruhe“, eine alte Frau, umflossen von den zergehenden Brocken eines überreifen Rot, von der Süssigkeit müder Altersmilde. Fast mutet es an wie ein später Nachzügler aus dem Kreise derer um Rembrandt. Eine merkwürdige Art von Ein- und Umstellung, um so merkwürdiger bei einem wegen seiner Ursprünglichkeit eigenwilligen Künstler. Eigenwillig bis zur völligen Ausserachtlassung des von zünftigen Hütern des Kunstbestandes für das Höchste und Einzige Gehaltenen, der „Einheit des Bildganzen“. Sie drohen oft auseinanderzufallen, die Teile eines Bildes, wie im „Gottsucher“, der mit dem hinter den Wolken Hausenden erregte Zwiesprache führt zwischen fest gegründeten Häusern auf der einen und fast gewichtlosen, vorn überfallenden Menschlein auf der anderen Seite. Welch sonderlich 9*

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