Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 144)
- Language
- German
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130 Drei Maler“. mit Neigungen zur Immaterialisierung der Farbe droht, ist glücklich überwunden und nun, nachdem er sich eine materiell feste und dabei geistige Ausdruckswerte mit enthaltende Farbe zu eigen gemacht hat, lockert er im nächsten Bildnisse die etwas allzudicht gewordene Farbstruktur und lässt das türkis-blaue Gewand der Frau und ihr beiseite liegendes hochrotes Tuch in prangendem Glanze erstrahlen. Das trübende Gemenge von Schatten wird unterschlagen und bloss die Anordnung des leuchtenden Kolorits ruft einen bis dahin in Kolniks Bildern nie dagewesenen Eindruck überzeugender Räumlichkeit hervor. Trotz letzterem Gelingen ist ihm auch jetzt das Raumhafte nicht zur Hauptsache geworden. Der ähnlich wie beim vorgenannten Porträt angelegte Hintergrund erfährt im Verhältnisse zu diesem eine Auflockerung ins Farbige; in seiner Ebene führen rotierende Farbenstäubchen wundersam kreisende Bewegungen aus. Bei aller ruhigen Gehaltenheit — in dem Wohlgefallen an ihr liegt seine unbedingte Tendenz zu allem flächenhaften Gestalten begründet — durchziehen die beiden Bildnisse stillwirkende seelische Spannungen; das Mädchen in der unaufgeschlossenen Knospenhaftigkeit mit der etwas sperrigen Kopf- und Handhaltung und dem halb geöffnet verlangenden Munde, die Frau mit der nachdrücklich spitzwinkeligen Umrissbildung ihrer gelösten Körperhaltung und dem feuchten Schimmer ihrer Augen. In der Auffassung und Wiedergabe menschlicher Persönlichkeit kommt Kolnik in seinen letzten Schöpfungen dem Lebensgefühle altdeutscher Meister des 15. Jahrhunderts und einigen Malern des deutschen Nazarenerkreises aus dem 3. und 4. Jahrzehnte des verflossenen Jahrhunderts sehr nahe, in der feinsinnigen und subtilen Art den letzteren, in dem Streben nach mit seelischen Spannungskräften gefüllten Liniamenten den ersteren. Eine völlig andere Welt umfängt uns in Salomon Lerners Werken, da gähnen Abgründe, in die der Blick sich schauernd verliert und die voll sind von alten Geheimnissen. Es ist keine Anmut in seinem Tun und kein Lächeln in seinem Werk. Kein selbstgewählten Gesetzen unterworfenes Schaffen regelt das Gehaben seiner Gestalten und den Lauf der Vorgänge, die aus dunklen, unberechenbaren Gründen emporsteigen. Ungeregelte Irrationalität flackert geisternd über die im Zustande einer triebhaften Emotion herausgeschleuderten düsteren Farben. In breiten Streifen sind sie hinuntergestrichen, diese stechend grünen an die überwachsenen Spiegel abgelegener, finsterer Waldseen gemahnenden Töne, seine braunen Tinten mit ihrer erstarrten Glut, aus denen man mitunter den Widerhall düsterer Inbrunst spanischer Heiligenbilder oder altbyantinischer Ikone zu vernehmen glaubt. Mit gellend roten