Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 139)
- Language
- German
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Die industriellen Möglichkeiten Palästinas. 127 — oder sonstigem Wege zur Auffüllung ihrer Mittel verhilft. Die nächste wirtschaftliche Entwicklung Palästinas hängt nicht, wie manche unter uns es glaubhaft machen wollen, einzig und allein von den politischen Momenten ab. Sie hängt vorwiegend von der Wucht ab, mit der das jüdische Volk seine eigene wirtschaftliche Position dort wird erstürmen wollen Zaudert es noch lange, so geht uns selbstverständlich dieser Selbstbestimmungsvorteil verloren und unsere ganze Zukunft bleibt dann ein schwankes Rohr, der Konjunktur und Zufallspolitik ausgesetzt. Ich weiss nicht, ob diese so allgemein gehaltenen Betrachtungen einen Wert für Ihren Allmanach haben; ich möchte es sehr bezweifeln! Ein Almanach, im Gegensatz zur Tageszeitung und in Erweiterung und Vertiefung der in Zeitschriften abgehandelten Themen, soll — meiner Ansicht nach — nur wirkliche Studien in seinem wissenschaftlichen Teil enthalten. Wie eingangs gesagt, fehlen mir hier aber die Behelfe und überdies hätte es mir mein Gesundheitszustand in der letzten Zeit nicht erlaubt, wirklich ernste Arbeit zu leisten. Diesem Zustande allein ist es auch zuzuschreiben, dass diese Zeilen sich so verspätet haben; meine einzige Rechtfertigung, dass ich so unhöflich war, Sie so lange auf eine Antwort warten zu lassen, was Sie freundlichst entschuldigen wollen. Mit meinen besten Grüssen und herzlichen Neujahlswün sehen bin ich Ihr ergebener: . , _ Adolf Bernhardt Drei Maler: Artur Kolnik, Salomon Lerner und Jacob Eisenscheer. Mit einer weitzügigen Linienführung von schlichtem sachlichen Ernste hat Arthur Kolnik in seiner Jünglingszeit die ersten künstlerischen Versuche angestellt und ist später auf äussere Anregungen hin, zum guten Teile auch seinem angeborenen Hange zum stiLen, versonnenen Flächenhaften folgend, zur dekorativen Ausgestaltung der Bildfläche übergangen Gelegentliche Versuche zur Durchbrechung des in ruhiger Sammlung sich ausdehnenden Hintergrundes, die sich idlgerichtig mit einer Kräftigung seiner leise tönenden Farben paarten, sind bloss Streifzüge in ein seinem künstlerischen Wesen fernliegendes Land geblieben. In dieser Zeit unentschiedenen Tastens zwischen dekorativer und resoluter Erfassung der Wirklichkeit tauchen Gestaltungen mit innigem Herzensschlage auf, denen man (sie standen in der im hiesigem Gewerbemuseum im November 1918, veranstalteten Ausstellung unter der Masse andersartiger Bilder vereinzelt da) ihre Herkunft aus des