Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 140)
- Language
- German
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)28 .Drei Maler“. Künstlers tiefstem Wesensgrunde ansehen konnte. Da hing neben dekorativ aufgefassten Porträts, gedankenhaften Bildern — sie waren für seine künstlerische Zukunft wegweisend —, das Bild eines Juden vor der jäh in die Tiefe schiessenden Flucht einer engen Gasse mit baufälligen Häuschen (wirkungsvoll und konsequent durchgeführt, doch ohne Nachfolge in seiner reiferen Entwicklungszeit) und unter diesen allen durch ihre Masse erdrückt ein kleines Bild, das Brustbild einer Frau zwischen zwei den Horizont überragenden Bäumchen. Ein Hauch nazarenischer Zartheit des Empfindens lag über diesem in hellen, sorgfältig vertriebenen Farben gemalten Bilde, das trotz der Unscheinbarkeit seiner gegenständlichen und technischen Aufmachung für. des Künstlers Intention und Zukunft unter allen anderen vielleicht das bezeichnendste war. Vier Jahre sind seither verflossen und dem sein heutiges Schaffen Ueberblickenden dünkt es als schüchterner Aufakt zur späteren Vervollkommnung. Auf der Frühlingsausstellung des hiesigen Kunstvereines (Mai 1922) hing Kolniks Cyklamen-Stilleben, das wiegen seiner gegenständlichen Indifferenz als Paradigma seiner künstlerischen Individualität gelten kann. Kein Betonen materieller Stofflichkeit der Blatt — und Blüten-* Substanz, keine Andeutung örtlichen Zusammenhanges mit dem Boden irgend eines realen Untergrundes. Vor ausgebreiteten Blättern mit der leise betonten Feierlichkeit ihrer kreis- und herzförmigen Rand- und Innenzeichnung offenbart sich das Blütenwunder einer überhängenden Cyklame, deren äusserste Spitzen die zarte Helligkeit immateriellen Lichtes durchscheint. Wenige Ornamente von länglich-rundlicher Form auf etwas dünklerem Grunde rücken dieses „Stilleben“ in den Bereich einer kosmischen Weitläufigkeit. Seine reine Gesinnung zieht ihn zu den durchsichtigen und klaren, ungebrochenen, von jeder Berührung mit dem Wechselspiele der bewegten Atmoshäre nicht angegriffenen Farben, sie zieht ihn hin zu der leidenschaftslosen Ausbreitung des Darstellungsinhaltes in weiten, grossen, von dem aufgeregten Trubel des Raumlebens unberührten Flächen mit dem leisen Schwünge ihrer sanft dahinrollenden Umfassungslinie, sie führt ihn in den Bereich schwermütiger Madonnen, die er fortan mit Vorliebe malt. Er mall sie (Die Madonna eines Tryptidion, im Besitze eines Amerikaners) mit dem weitgedehnten Linienschwunge einer zärtlich-gehobenen Seele, er ergiesst die ungetrübte Reinheit eines sehnsüchtig-schwellenden Herzens in die Farbe ihres Gewindes von dem reinsten und durchsichtigsten Blau, das er nur erschauen kann. (Madonna der hl. Familie). Feinfühlige Versenkung in das Innenleben seiner dem Alltage enthobenen Gestalten — sie umwittert alle ein lindes Weh — bewahrt die stets gehaltvolle Zeichnung vor ornamentaler Veräusserlichung- Wie weit hat er sich von den dekorativen Neigungen seiner