Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 135)
- Language
- German
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Die Voraussetzungen der jüdischen nationalen Autonomie in Litauen. 123 sei icht nivellierend und drückend hervortrat, waren die Voraussetzungen für dieses nationale Selbstbewusstsein der litauischen Juden nicht gegeben. Die Sachlage hat sich aber mit einem Schlage geändert, als sich der 2 Millionen-Staat zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Einheit herauskristallisierte. Da stand die 200.000 Köpfe zählende Judenschaft als eine soziale Schicht sui generis der anderssprachigen Bevölkerung gegenüber, ihre Beziehungen zu den Juden der übrigen Teile Russlands wurden durch die neu entstandene Staatsgrenze geschwächt, sie war sich ihrer Eigenart mitten im neuen Staate bewusst und diese stark ausgeprägte und bewusste Eigenart gab ausreichenden Stoff, um den Inhalt der nationalen Autonomie zu bilden. Was die Form, den formenden Anteil des Staates betrifft, so ist hier die Eigenart der litauischen Entwicklung besonders lehrreich. Von den historischen Traditionen, von der Tatsache, dass Litauen die klassische Stätte der mittelalterlichen jüdischen nationalen Autonomie gewesen ist, will ich in diesem Zusammenhang absehen, obgleich auch dieser Faktor nicht zu unterschätzen ist. Ausschlaggebend waren aber nicht die Traditionen, sondern die realen Forderungen des politischen Momentes. Die litauischen Staatsmänner sahen sich, als sie, die günstige politische Lage ausnützend, an den Aufbau des Staatswesens herantraten, vor eine schwierige Aufgabe gestellt, weil sie im Lande selbst mit dem Antagonismus gewisser einflussreicher Bevölkerungsschichten zu kämpfen hatten und es war von Anfang an klar, dass nur die geschlossene Front mehrerer nationaler Gruppen den Sieg der litauischen Staatssache wird herbeiführen können. Nun galt es in erster Reihe, die Unterstützung der städtischen jüdischen Bevölkerung zu sichern. Selbstverständlich waren die Juden als alteingesessene Einwohner des litauischen Landes, welche mit ihm durch jahrhundertelange Geschichte verbunden waren, an seinem Geschicke stark interessiert und bei dem nun eingetretenen Zersetzungsprozess in Russland war der Weg zur Bildung eines selbständigen Staatswesens der einzig gegebene. Um aber die jüdische Bevölkerung zum aktiven Kampfe für die litauische Sache zu gewinnen, war es ein Gebot der staatlichen Notwendigkeit, eine solche Gestaltung des neuentstehenden Staates in Aussicht zu stellen, die den Juden nicht nur die bürgerliche Gleichberechtigung, sondern auch ein ihren Bedürfnissen entsprechendes Mass nationaler Rechte einräumen würde. Das wurde auch von Anbeginn des Aufbaues des litauischen Staates feierlich erklärt und somit war die Grundlage für ein Zusammenwirken der litauischen und der jüdischen Bevölkerung- Litauens gegeben. Es kommt noch Folgendes hinzu: das gegen die Mitte des IQ. Jahrhunderts wiedererwachte litauische