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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 120

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 120 (sequence 132)
Language
German
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IRI
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ä| 'i;' I f- 120 Von der Notwendigkeit u. der Bedeutung des modernen Bibelstudiums. Gelehrsamkeit und Gründlichkeit auf alle Fragen gediegenste Antwort zu geben in der Lage sein sollen. Auch das grosse jüdische Publikum und die jüdische Jugend soll mit diesen Fragen vertraut gemacht werden. Eine Vogelstrausspolitik kann sich einst furchtbar rächen. Möge man sich nur recht vor Augen halten, um was es geht. Es geht nämlich um das Ganze, es geht um unsere geistige Weltstellung, es geht um unsere Geltung im Geistesleben der Nationen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, um unsere Bedeutung im kulturellen Leben in früheren und für künftige Zeiten. Und da sind die grössten Anstrengungen noch zu gering! Unser uraltes ewiges Volk darf nicht abseits stehen, wenn es sich um Sein oder Nichtsein seiner Weltgeltung handelt. Die Verteidigung gegen Angriffe auf unser kostbarstes Gut dürfen wir nicht Fremden überlassen. Wir, wir allein müssen diesen gigantischen Kampf kämpfen, jetzt und in aller Zukunft, wie wir, wir allein ihn auch in der Vergangenheit geistig und in Strömen von Märtyrerblut gekämpft haben. Es ist nicht überflüssig, zu erinnern und zu sagen, welche Stellung uns unter den Kulturen dieser Erde vermöge unseres geistigen durch die Bibel erworbenen Besitzes zukommt. Rudolf Kittel, einer der bedeutendsten Bibelforscher unserer Zeit, führt in seiner Geschichte des Volkes Israel (Seite 3) aus: „Die Geschichte des menschlichen Geisteslebens seit dem Beginn unserer Zeitrechnung, wenn gleich reichlich beeinflusst von den Ideen, die aus Griechenland und Rom geflossen sind, hat doch von nirgendsher stärkere und nachhaltigere Befruchtung erfahren, als von dem kleinen Juda aus... Mochten die Völker der Nil- und Euphratländer die halbe Welt sich zu Füssen legen, mochte Hellas, durch seine Weltweisheit und durch die unsterblichen Schöpfungen seiner Kunst, Rom durch seine Gesetze und Staaten schaffenden Genius sich einen Namen in der Geschichte machen; an nachhaltigem tiefgreifendem Eieflusse auf Schicksale und Denkart der Völker stehen sie dem hebräischen Volke entfernt nicht zur Seite. So verschwindend klein das Land dieses Volkes, so unbedeutend das Volk selbst an Besitz und äusserer Machtstellung wie an künstlerischem Können dasteht und so wenig ihm das Vermögen eignet, auf dem Gebiete der materiellen Kultur selbständig Neues zu schaffen — es hat einen fEinfluss eigener Art auf die Welt ausgeübt, eine Art Weltherrschaft sich anzueignen vermocht. Seiner Weise der Gottesverehrung haben die Völker sich gebeugt.“ (S. 4.) Und alles dies sagt derselbe Mann, der das jetzige Judentum — im Gegensätze zum alten Hebräertum — als mehrfach abstossend und eine Karrikatur wirklich gesunden Lebens nennt. Freilich, wir wissen es besser und auch Kittel scheint es zu ahnen, denn er fügt sofort hinzu: „Im Hinblick auf das lichte Ziel, dem das Judentum zuzustreben scheint, verliert es seine Verworrenheit

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