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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 115

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 115 (sequence 127)
Language
German
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IRI
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Glaube und Ritus. IM Würdigkeit und Unstrittigkeit der Berichte gehabt hat, braucht nicht dargestellt zu werden. Auf der Festigkeit des Glaubens aber baute sich die Fortexistenz des jüdischen Volkes auf, dieser Damm mitten durch die Flut der Jahrhunderte und der Feinde So kann man sagen: Ohne die Getreuen, die scheinbar sinnlos, nur dunklen Instinkten folgend ihr Leben damit verbrachten, dass sie die vierzigtausendundetlichen Aleph in der Bibel abzählten, ohne diese Getreuen würden wir heute als jüdische Rasse nicht mehr weiterbestehen. Dies die Wirkung des Geheimnisses. Und der wird ihr nicht gerecht, der die austrocknende Regelverschnörkelung und Abstraktionslust des jüdischen Lebens „unwirklich" „entwirklichend" schilt. Nein, keine Flucht vor der Wirklichkeit ist es, sondern das Problem lag so: — entweder das Judentum löst sich unter den Völkern auf, indem es sich dem schlichten Dahinleben ergibt, oder wir wollen es erhalten und stellen es zu diesem Zweck unter einen Zwang. Betrachtet man die Notwendigkeit dieses Zwanges als gegeben, so muss man vielmehr bewundern, welch ein Maximum an „Lebendigkeit" und „Wirklichkeitssinn" im Judentum wachgeblieben ist. — Die Konservierungsmittel also, die das Geheimnis des jüdischen Volksinstinkts angewendet hat, sind einschnürend und nehmen manchmal sogar gefährlichen Ressentimentscharakter an, — aber das Geheimnis selbst, das Geheimnis im Innern dieser Mittel ist wie jedes Geheimnis, blühend unübersehbar. Und mit ins Geheimnis gehört es, dass es gerade in dem Augenblick, in dem die Konservierungsmittel ihre Kraft zu verlieren drohen, Instinktlosigkeit nicht mehr abzuwehren scheint, -- dass es sich gerade jetzt einen neuen Weg eröffnet: Palästina... Zufall? Schicksal? O das ist es ja gerade, dass das Geheimnis aus sich selbst hervor Schicksal zeugt und die Glücksstunde in den fernsten Sternen. Elegie an die abgefallenen Juden*). Lebend’ger Friedhof meines Volkes I ich durchwandle siill Dein dämmerndes Geviert, das n chis als Ruhe will, Das nur zerbröckeln will, das nur verfallen will . . . Brüder und Schw.eslern, ungezählt und unbekannt, Silzen auf ihren Gräbern, seh’n mich an, Starr ist ihr Blick, abweisend ihre Hand, Brüder und Schwestern, ach, was hab’ idi euch getan? O Frage weich, auf die es eine harte Antwort gibt: Du hast uns nicht genug geliebt! Kreischenden Morgenvögeln gleich uach ungeschlaf’ner Nacht Hat mich’s metallen tausendstimmig ansgelacht. Und weiter ging ich, gab getreulich acht. *) Mit Erlaubnis des Verfassers aus „Im Kampf um das Judentum“ Verlag R. Löwit (Wien—Berlin 1920). 8*

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