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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 114

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 114 (sequence 126)
Language
German
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IRI
…/7938572-9582826--127-9575471
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114 Glaube und Ritus. Buchstabe in jedem Bibelbuche sei usf. Die Vorschriften, die beim Abschreiben des Textes beachtet werden mussten und noch heute beachtet werden, sind minutiös und so anstrengend, dass der Abschreiber sich gratulieren kann, so oft er eine Seite fehlerlos zu Ende bringt. Es wird von Fällen erzählt, wo selbst der geübte Schreiber eine Seite zehn- und zwanzigmal Verwerfen musste; denn es ist streng verboten, ein Manuskript, das nicht ganz korrekt, den religiösen Anordnungen gemäss kopiert ist, in Gebrauch zu nehmen. — Uebertriebene, lästige Sorgfalt? Und doch verbirgt sie ein tiefes Geheimnis, Man lese nur in einer Kirchengeschichte (in einer christlichen, z. B. von Kaulen) die Geschichte der Bibelüberlieferung nach. Zum Erstaunen der Gelehrten sind alle hebräischen Handschriften fast völlig gleichlautend. Und dabei stammen sie doch aus einer Zeit, in der das Judentum schon in der Zerstreuung lebte. O erhabene Treue des zersprengten Volkes, über alle Küsten hin gerissen, fast ohne Zusammenhang, und dennoch den geheimnisvoll gemeinsamen Rhythmus bewahrend, wie von einem unsichtbaren Kapellmeister dirigiert über Meere und Berge hinweg. Kaulen schreibt: „In der Zeit, aus welcher auch die frühesten dieser Handschriften stammen (NB. es sind zirka 1500) war der hebräische (und chaldäische) Bibeltext schon von den Juden einer Kritik unterzogen und in eine streng abgeschlossene Form gebracht. Einzig diese Rezension ist in allen handschriftlichen Exemplaren erhalten; dieUeberlieferung des fraglichen Textes muss daher, soweit sie auf den vorhandenen Exemplaren beruht, als eine durchaus einheitliche bezeichnet werden. (Folgt eine Darstellung des Massorah) . . Die Folgen dieses ängstlich genauen Verfahrens zeigt der an den Handschriften beobachtete Tatbestand. Die umfassende Vergleichung, welche Kanikott und Rossi angestellt haben, konnte nur wenige Varianten auffinden, welche mehr als Schreibfehler bedeuten.“ Demgegenüber der Zustand des in der Christenheit benützten griechischen Textes. „Im 5. Jahrhundert war keine einzige von allen Ausgaben der Septuaginta in der ursprünglichen Textesreinheit mehr erhalten, weil es zur Gewohnheit geworden war, an dem Wortlaut derHandschriften ohne festen Plan und ohne kritischen Takt zu ändern. Durch seine mühsame Arbeit (Hexapla, sechssprachige Bibel) hatte Origenes gerade das Gegenteil von dem bewirkt, was er ursprünglich beabsichtigte . . . Die handschriftlichen Texte weichen in unzähligen Einzelheiten voneinander ab, und es ist noch nicht gelungen, sie auch nur nach Familien zusammenzustellen.“ (Kaulen.) Das Neue Testament gar zählt nach Tischendorf etwa 30.000 Verschiedenheiten zwischen den einzelnen Zeugnissen der Ueberlieferung. Welche Bedeutung die reine Ueberlieferung für die Glaub-

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