Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 128)
- Language
- German
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Elegie ait die ebgefallenen Juden. Der Friedhof rüdde weiter, grenzenlos, Die Leichen wandelten und sprechen klar, Zwar brannt’ ein Flammenmal an jedem Schoß, Doch auf den Wangen Hohn und Hochmut war, Mulwillig Wort von mancher Lippe stiebt: Warum hast du uns nicht genug geliebt? Und nun erkenn’ ich manchen, der mir wert. O Knabe dort, von bleichen Rätseln ausgezehrt. Du bist im Recht — man hat dich nichts gelehrt. Ach, wo sind deine Lehrer, Israel? Zwar schläft und schlummert nicht der Hüter Israels, Doch seine Lehrer dösen, dick vermummt, Der große Mund der Tugend ist verstummt. Die ihr das Jugendmark aus unsern Knochen triebt, Schändliche Greise, ihr hebt nicht genug geliebt I Dem Bösen und dem Kind, das nicht zu fragen wagt, Unwissenden und Klugeu — keinem ward das Wort gesagt. Das Berge öffnet, das m Finsternisse tagt. Aufstürmte auch bei uns viel edle Manneskraft - Nun seid ihr da, Skelette, scharrt den Sand, Stolziert in Fetzen, schnöde aufgerafft, Schamlos ist jeder Gang und Griff und Stand, Das Denken roh, die Rede ungesiebt .... O dreimal Weh, daß man euch nicht genug geliebt! Ach niemand hat euch an vertrauten Arm gekettet, Niemand euch aus dem Plätschern öden Karlenspiels gerettet Niemand geslülzt — nur jeder gegen euch geweitet. Ihr schiedet, wie ihr hier geht: reuelos, Gedankenlos fast, selten einer groß — Nur mancher blitzt mit düst’rer Ungeduld, Dann weiß ich es : An allem sind wir schuld, Noch an den Striemen, die ihr bös uns hiebt Zur Strafe, daß wir nicht genug geliebt. Und auch das hohe Mädchen, Esiher wundersam — Sie schwebte stolz vorbei : — Wo ist der Bräutigam, Der Bruder meiner Seele, der in unsre Hütte kam? — Ach, niemand kam, nur deines Volks Verführer lehnen Die kalte Stirn an jungräuliche Hüfte. So trugst du Keuschheit und verletztes Sehnen Und schöne Kinder hin in fremde Lüfte, Wo dich in allem Glück ein Ach umgibt: Daheim hat man mich nicht genug geliebt. Lebend’ger Friedhof meineu Volkes 1 ich durchwand’re still Dein dämmerndes Geviert. — Und Lerchen steigen schrill Zu östlichem Gewölke, das kein Golt durchbrechen will. Springt endlich dort das Tor auf, donnert Licht Jubelakkordisch her — euch slrahlt es nicht. Verdrossen dreht ihr euch. Und wir gequält Am schönsten Tage, meiken, daß ihr fehlt Und daß auf ewig uns verlor’ner Chor umgibt Wie Geisterstimmen : Wehe, nicht genug geliebt 1