Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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110 Der Zweck heiligt die Mitlel. schlecht angewendeter "heiliger Egoismus“ ist verdammenswert, ist als niedriger Egoismus zu verachten. Es ist Zeit, daß Hass uud Uneinigkeit aus unseren Reihen schwinden. . Und mit dem Glücke meines großen ruhmreichen Volkes werde auch ich glücklich sein, denn jeden einzelnen meines Volkes liebe ich mit jeder Faser meines Herzens. Es ist meine feste Überzeugung, daß unser geliebtes Volk einen hohen Beruf hat, daß die von Gott verheissene glückliche Zukunft uns nahe be־ versteh*. פה קלויש, למחרת יו״ב תרם״ג לם״ק.ז אכייר Max Brod, Prag. Glaube und Ritus*). Woran glaube ich1 also? An dreierlei: Geheimnis, Kraft der Wahrheit, Begeisterung. Alle diese drei Mächte sind, wenn auch in verschiedenem Abstand von ihr, Erscheinungsformen einer höheren Welt, die manchmal in die unsere hereinschimmert. Dort ist alles fest, dort absolut, ungetrübt. — Die subjektivste ErscheinungSform ist Begeisterung, sie fasst das Absolute nur von der Seite des Menschen her, psychologisch. Geheimnis steht dem Absoluten nahe. Soweit das Absolute uns zugewendet ist, ist es Geheimnis. Zwischen beiden, gewissermassen an der Grenze zwischen Objekt und Subjekt lagert Wahrheit. Sie wird eben noch vom subjektiven Erleben des Menschen erreicht, ihre Stütze aber und magische Gewalt liegt schon ausser ihm, im Geheimnis. Deshalb ist Wahrheit das Offenkundigste und doch zugleich das Verborgenste, sie ist: Offenbarung des Verborgenen. Welches sind nun Formen der Wahrheit und des Glaubens an sie? — Der Satz z. B.: das Wahre in mir kann nicht verloren gehen. Es kennt schon den Weg, wenn auch ich ihn nicht kenne. — Oder: ״Sie“ reagiert nur auf Wahres, auf das echte tiefe Gefühl in mir, nicht auf meine Komödien. Oder: ein wahrhaftiges und wahrhaftig ausgesprochenes Gefühl kann nicht ohne Wirkung bleiben. Ein Verlogenes kann nicht wirken wie ein Wahres. — Dies ist auch das Erlösende in der Kunst: dass nur die echte Leidenschaft eines Künstlers, sein Muss, das, was er aus der Fülle schafft, Bestand hat, — dass man die Fülle des Herzens (sei es auch eines verzweifeiten Herzens) herausspürt. Daher wirkt ein Kunstwerk, wenn es auch vom Allertrübsten handelt, doch so, dass man wieder Lust bekommt zu leben. Obwohl das Werk vom Aufhören die- *) Mit Erlaubnis des Verfassers aus ״Heidentum, Christentum, Judentum2 ,״. Band. Kurt Wolff Verlag München. 1921.