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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 109

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 109 (sequence 119)
Language
German
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IRI
…/7938572-9582826--120-9575464
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Der Zweck heiligt die Mittel. 109 jüngster Zeit geprägte Motto: ״Der heilige Egoismus״. Ja, der Egoismus einer ganzen Naiion wird heilig, wird heiliger Selbst* zweck. Die Nation greift zu den Mitteln• der Zweckmässigkeit selbst niedriger Art, was natürlich dem einzelnen Individuum nicht zusteht. Der Egoismus des einzelnen Individuums kann niemals heilig sein. Darin unterscheidet es sich von der Gesamt* nation. Die Sicherung der Wohlfahrt und Glückseligkeit einer Nation paralysiert die moralisch untauglichen Mittel. Eine solche "עבירה לשמה" jedoch können und dürfen sich nur große, ver* antwortungsvolle Männer erlauben, die das volle Vertrauen ihres Volkes besitzen. Die vermöge ihres Vorzuges an Vernunft und der Weite ihres Gesichtskreises und ihrer Tüchtigkeit berufen sind, über das Los eines Volkes zu entscheiden. Und nur so ist das ״גדולה עבירה לשמה״ aufzufassen, wie es auch aus den gelieferten Beweisen des תלמוד deutlich und klar hervor* geht. Es sprechen hiefür die Beispiele der יעל אשת המי und der .אסתר המלכה weiche freiwillig Ehebruch begingen, um auf diesem Wege ihr Volk vor dem Untergange zu retten. Auch das Vor* gehen אליהו הנביא welcher לרבנו בחוץ darbrachte, fällt unter diese Beurteilung denn auch er wollte hiedurch sein Volk vor dem überhandnehmenden Götzendienste retten. Nach dem Gesagten lässt sich auch die bekannte Stelle im גיטין נ״ו — תלמוד sinnreich erklären. Dort finden wir: מארצנו ענוותנותי׳ של ר" בכרו' ק אבהולם החריבה אם ביתנו, ושרפה את היכלנו׳ והגלותנו אר״י die Bescheidenheit des'ר'בכרו verursachte die Zerstörung und Einäscherung unseres Heiligtums und unsere Vertreibung aus unserem Lande. (Siehe, wie ר״י diese Bescheidenheit auslegt I). Dieser ר״י nämlich, beschuldigte den 'ר׳בכרי, daß er mit seiner Bescheidenheit seine Zeitgenossen einschüchterle und kleinmütig machte, indem er ihnen zurief: ״wir sind viel zu klein und zu winzig, als daß wir es uns erlauben dürften, ein sündhaftes, verwerfliches Mittel in Anwendung zu bringen, obwohl es vom großen Zwecke geheiligt werden könnte. Dies ist nur den vom ganzen Volke anerkannten Großen und Führern gestattet 1“ Wie sündhaft und frevlerisch erscheinen uns daher oft die Parteikämpfe und Streitigkeiten im jüdischen Lager. Ein Schauder erfaßt uns angesichts der hiebei gewählten Mittel. Werden diese mit Rüchsicht auf das allgemeine Volkswohl gewählt? Und wenn es auch angeblich so wäre, wo sind die großen Männer und von welchem Volke haben sie hiezu das Mandat erhalten, daß sie sich erlauben, eine עבירה לשמה zu begehen? Ich bin von der Überzeugung durchdrungen, daß, solange das ganze Volk in Bezug auf in sein Leben tief einschneidende Fragen keine Entscheidung gefällt hat, — und dies wäre Auf* gäbe einer Weltkonferenz sämtlicher Parteien — keine Partei die Befugnis hat, im Namen ihres heiligen Zweckes unheilige Mittel zu gebrauchen. Die Parteien müßen sich vielmehr Reserve auferlegen und sich nicht von Übereifer leiten lassen, denn ein

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