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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 94

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 94 (sequence 104)
Language
German
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IRI
…/7938572-9582826--105-9575449
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•94 Vom Völkerbünde. Der Friedensvertrag, der darnach schon genug deutlich ist, illustriert diese Vorschrift dann an einer Reihe von Fällen und spricht zur Vermeidung von Zweifeln auch aus, dass die Juden eine solche Minorität bilden. Er sieht ferner vor, dass diese Bestimmungen durch den Völkerbund garantiert werden und dass jedes Mitglied des Völkerbundes schon auch nur bei der Gefahr einer Verletzung dieser Norm den Rat des Völkerbundes in Genf, eventuell den Spruch des internationalen Schiedsgerichtes im Haag anrufen kann. Aber alle diese Juristen-Formeln sind nur Aushilfsmittel. Als man sie beschloss, war man sich bewusst, dass sie keine Lösungen sind, es handelte sich nur darum, die Minoritätenfrage, diesen Explosivstoff voll Gefahren für die internationale Ordnung gewissermassen in einen Blitzableiter abzuleiten und zu fesseln. Aber diese Behelfe erreichten noch heute nur das Gegenteil von ihrem Zwecke. Die Staaten, für die sie geschaffen waren, fühlen sich durch die Pariser Anweisungen beengt und nahmen nur mit Widerwillen an, was ihnen in eigenem Interesse und im Interesse von ganz Europa vorgeschrieben wurde. Der Weltkrieg hat nämlich erwiesen, dass die grossen Fragen der staatlichen Existenz nicht bloss durch die Kräfte der Front, sondern auch durch die Kräfte des Hinterlandes entschieden werden. Deshalb wächst die Bedeutung der Bevölkerung für die Existenz des modernen Staates über das hinaus, was die traditionelle Staatskunst von ihren eigenen Untertanen hält — nämlich, dass sie Figuren sind, die geschoben werden — und es ist eine Frage von internationaler Bedeutung, dass gerade die Minoritäten, wenigstens behelfsweise, befriedigt werden. Es geht eben nicht mehr nach den traditionellen Formeln. Heute trägt einer seinen Anzug aus australischer Wolle, die mit deutscher Farbe gefärbt ist, schreibt mit einem Bleistift, der aus Grafit aus Sibirien und Holz aus Californien besteht, bezieht Seide aus Frankreich, Zitronen aus Sizilien, lässt sich die Stoffe in England anfertigen und die Wäsche in Böhmen, kurz, hat auf sich Gegenstände, die aus allen Erdteilen zusammengebracht wurden, mit denen er jederzeit dratlich und drahtlos sprechen kann. Nein! Die alten, selbstgefälligen Staatsformen reichen für den Stil des heutigen Verkehres nicht aus und die Wahrheit, wenn sie einmal erkannt ist, wird sich selbst den Weg zum Siege bahnen. Allerdings, wir sind noch weit davon. Man weiss zwar schon, dass die stärksten Armeen, wie früher die deutsche, einem Volke noch nicht den Sieg garantieren können und dass die Franzosen sich nicht sicher fühlen, obwohl sie heute die stärkste Armee Europas haben, dass es aber geschichtliche

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