Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 102)
- Language
- German
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92 Vom Vöikerbunde. nichtung ist fest beschlossen, aber Gerechtigkeit strömt durch! Ein Rest wird umkehren, ein Rest Jakobs’ zum mächtigen Gotte“. Die grosse Masse mochte das nicht verstehen, nur die Ueberragenden konnten die Worte des Propheten erfassen. Das war das Umwälzende, höher als das Schicksal des Volkes steht die Gerechtigkeit, die die Vernichtung durchströmt, nur ein Rest wird gerettet. Damals erhob sich der Geist derer um Jesaia über das Niveau der Zeit, sie erhoben sich und ihr Volk über ihre Umgebung empor, sie machten das Schicksal unseres Volkes unabhängig vom Schicksal des jüdischen Staates, der Gott Israels ist kein Gott, der für sein Volk Schlachten gewinnen muss, sondern der es richtet. Um das Niveau dieser Auffassung zu erfassen, seien Vergleiche mit dem Heute angereiht. Als die Rumänen im Jahre 1916 im Vormarsche vor Hermannstadt standen und Tisza im ungarischen Parlamente wegen mangelhafter Verteidigung heftig angegriffen wurde, erklärte er, er hoffe, dass der Gott der Ungarn das Vaterland schützen werde. Als der Papst im Jähe 1917 eine Friedensvermittlung versuchte, die Frankreich missliebig war, berichteten die französischen Kardinäle nach Rom, sie fürchten Abfall von der katholischen Kirche. Der Zusammenhang zwischen dem Gott des Landes und den Kriegsereignissen ist also noch heute ein sehr lebhafter. Jener Rest in Israel, der seit den Tagen Jesaias über die Auffassung hinausgewachsen, vom nationalen Gotte zum universellen sich erhoben hat, von den egoistischen Interessen des Volkes zu der Erkenntniss einer höheren Gerechtigkeit im Leben der Völker, er schuf den Lebensquell, der unserVolk erhält ohne Land. So blieb es, seitdem unsere Ahnen erkannten, Vernichtungen unseres Staates ist nicht Vernichtung unseres Gottes, sondern ein Akt seiner Gerechtigkeit, als ihr Denken über den Staat hinausgewachsen war, seitdem sie ihrVerhältnis zum Leben nicht mehr unbedingt mit der Existenz ihres Nationalstaates verbanden. Es gibt sehr eifrige Verfechter des Völkerbundgedankens, die erklären, man müsse diese Ideen popularisieren. Aber die' Völker sind sich längst darüber klar, die sich noch nicht klar sind, das sind diejenigen, die den Völkerbund popularisieren wollen. Es wird ihnen aber nicht gelingen. „Nicht das ist das Zeichen der Wahrheit, dass sie, einmal erkannt, von allen befolgt wird, sondern dass sie nicht mehr verschwindet, wenn sie erkannt worden.“ Die Herren propagieren auch ihren Völkerbund. Gesellschaften sind gebildet, die Idee des Völkerbundes zu verbreiten, sie sind aber staatliche. Der Völkerbund ist nur soweit zulässig, als er für ihren Staat etwas bringt. Es ist eben wie mit Tisza’s „Gott der Ungarn“, der ihnen speziell zu helfen hat. DieGeschichte wiederholt sich und