Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 101)
- Language
- German
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Dr. Max Diamant, Czernowitz. Vom Völkerbunde. Wird neues Leben aufgebaut? Oder leben wir in einer Periode, da die Menschen sich blos für den nächsten Krieg ausruhen? Ist Krieg und Frieden nur ein Wechsel des Lebens- Bildes, wie Berg und Tal bei der wogenden Welle? Ist der ewig bedrohte und der ewig bedrohende Staat die letzte höchste Form des Nebeneinander-Seins von Menschen? Gibt es keine Stufe einer Entwicklung zum Höheren? Der Völkerbund! Als das methodische Vernichten des Feindes zu erlahmen drohte und er doch noch nicht vernichtet war, tauchte dieser Gedanke an der französischen Front auf und bewährte sich als ausgezeichnetes Kriegsmittel. Er steigerte die erlahmenden Energien in den Schützengräben. Die Soldaten sahen «in: es gilt den letzten Kampf für Generationen und für ein höheres Ideal, für das zu sterben wert ist. Noch besser be-, währte er sich als Kriegslist: die ermüdeten deutschen Gegner völlig zu entwaffnen. Wozu kämpfen, wenn ohnehin Recht zwischen den Völkern gelten soll? Später kamen die Diplomaten und bildeten aus diesen Ideen, welche die Völker in den düstersten Tagen ihres Elends: erfüllten, ein Kind der Diplomatie, zu schwach, zu leben und doch nicht so schwach, dass es hätte sterben können. * * * Vor zweitausendfünfhundert Jahren wälzten sich, ähnlich wie heute die jungen Völker Europas, die grossen Völker des alten Orients in ihrem Blute, grosse und kleine Staaten verröchelten. Auch der erste jüdische Staat ging seinem Untergänge entgegen. Damals war es Brauch in der Welt, dass mit dem Staate nicht nur sein König, sondern auch der Nationalgott mitfiel. Jedes Volk hatte seine eigenen Götter. Sie waren das Symbol des eigenen Lebens; primitiver Nationalismus. Der siegreiche Herrscher brachte auch seinen Gott in das. besiegte Land mit. Und jeder Gott war mit der Existenz seines Volkes ebenso verbunden, wie der Gott Judas, der es von der ägyptischen Knechtschaft befreit hatte. Als Sancherib, der mächtige König der assyrischen Grossmacht, gegen Egypten zog um es zu unterwerfen und das kleine Juda um seine Existenz zitterte, da trat Jesaia mit einem Worte auf, das den Menschen jener Zeit zuerst hat verrückt scheinen müssen. Im Namen des Gottes Israels rief er: „Die Ver-