Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 99)
- Language
- German
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Das Amt 89 mente sich wandeln würden zu Werkzeugen fruchtbarer Arbeit, in der kein Volk mehr das Schwert erheben würde gegen das andere, «1 der Aufbauen und nicht Zerstören, Zusammenarbeiten und nicht Befehden, das Fühlen und Wollen der Menschheit beherrschen würde. (Jes. II.) Stolz sollt Ihr wieder darüber empfinden, dass Ihr dem Stamme angehört, welcher der am höchsten schöpferische ist. Wir wollen wahrhaftig das Grosse nicht verkennen, das die anderen Kulturvölker der Welt beschert. Doch was wir ih«־ gegeben, ist das Entscheidende, ist das Bestimmende. Wir haben sie gelehrt, den Weg zum Göttlichen zu gehen, in uns das Göttliche zu suchen und zu finden; vor uns und ohne uns hat kein Volk dies vermocht. Bedürfte es noch eines Beweises, so wäre er in der Tatsache zu sehen, dass geistig so hochstehende Völker, wie die im äussersten Osten der Erde lebenden, bis auf den heutigen Tag zu dieser Erkenntnis nicht gelangen konnten, weil sie in der entscheidanden Phase ihrer Entwicklung der Hilfe, der Führung des Judentums entraten mussten. Wieder sollt Ihr fühlen, wieder sollt Ihr wissen, dass Euer Volk das auserwählte ist, das אתה בחרתנו״ Du hast uns auserkoren“, das vielen von Euch zu einer leeren liturgischen Phrase geworden, soll wieder Eueren Lebensinhalt bilden. In dieser Stunde, in der die Menschheit mehr denn je nach Erlösung lechzt, soll im Dunkel der Gegenwart das ewige Licht Israels neu erstrahlen. Wenn noch heute, da seit fast zwei Jahrtausenden ein grosser Teil der Welt sich äusserlich zu unserem Gotte bekennt, das Heidentum einen so breiten, fast könnte man sagen, beherrschenden Platz im Glauben der Völker einnimmt, so ist es dem Umstande zuzuschreiben, dass wir, seit unsere Seele im Exil lebt, seit wir in Tausende von Gruppen zerschlagen sind und eine jede den Verzweiflungskampf gegen eine hasserfüllte Mehrheit zu!führen hat, nicht mehr die Möglichkeit haben, ungehindert und in voller Freiheit für die Verbreitung unserer Ideale zu kämpfen. Man pflegt zu sagen. ״Ihr habt der Weit die Bibel gegeben, nun könnt Ihr gehen. Nicht Ihr, sondern die Christen haben die heilige Schrift in alle Sprachen der Welt übersetzt und sie allen Völkern zugänglich gemacht.“ Ach, meineFreunde, es genügt nicht, die Bibel zu lesen und zu lehren, die Psalmen zu singen und zu sagen, — man muss die Bibel erleben. Kein Volk lebt in der Bibel, in keinem Volke lebt die Bibel, als nur in den! unseren. Die Bibel ist gewissermassen die Seele, die sich in uns ihren Körper gebaut. Sehnsüchtig, mit vor Freude zitternder Brust blicken wir nach unserem Osten, wo eine neue Morgenröte aufzugehen scheint.Wenn unser Herz wieder im Lande der Bibel schlagen wird, wenn wir wieder wie der Sohn der Erde in der griechischen Sage die Mutterbrust berühren werden, da werden neu uns die Kräfte