Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 98)
- Language
- German
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88 Das Amt. weiss es, wie nahe das Judentum daran war, dem geistigen Antlitze des von Cyrus geschaffenen Imperiums unsere Prägung zu geben. Ein Prophet, dessen Worte wir am Schlüsse des IQ. Kap. des Buches Jesaias lesen, konnte schon damals seinem Volke die Aufgabe stellen, Mittler zu werden zwischen den feindlichen Grossmächten der Erde, durh seine Geistigkeit zu überbrücken Abgründe von unergründlicher Tiefe. Als wir zwei Jahrhunderte später in die vom grossen mazedonischen Eroberer neugegründete Hafenstadt am Mittelländischen Meere kamen und zum erstenmale in ein Verhältnis traten zu den Ergebnissen des hellenischen Genius, da genügten wieder wenige Jahrzehnte und in dieser für die Welt so bedeutsamen Vereinigung wurde der jüdische Teil zum herrschenden. Es bildet sich jene alexandrinische Philosophie, die entscheidend beitrug zur Entstehung des Christentums und bis auf den heutigen Tag im Denken und Glauben der katholischen Kirche ihre tiefen Spuren zeigt. Als sich vom Mittelalter die neue Zeit, der neue Geist loslöste, da war es das unter jüdischer Führung angebahnte bessere Verständnis der Bibel, das es den Völkern möglich machte, den Weg des religiösen Fortbildens sicheren Schrittes zu wandeln. Stolz sollt Ihr wieder darüber empfinden, dass Ihr dem Volke angehört, das der Welt die königliche Gabe des Optimismus gebracht. Gewiss, es gibt andere Völker, die lebensfroher sind als wir, lebenshungriger, aber keines, das wie das unsere im tiefsten lebensbejahend ist. Nicht der ist ein Optimist, der dem Rate des römischen Dichters folgt und des Ta- <*£s Genüsse pflückt, unbekümmert um die Mühsal der kommenden Stunden. Lebensbejahend ist das Volk, das im schwersten Leid und herbsten Kummer an der Erlösung nicht verzweifelt, für die Erlösung sich müht, das unter den blutigsten Verfolgungen sich und der Welt unaufhörlich sagt: „Währt es auch noch so lange, harre aus, die Erlösung wird, sie muss kommen.“ Die messianische Hoffnung, der höchste und segensreichste Optimismus, gehört zu den köstlichsten Gütern, die die Menschheit besitzt. Und wenn gerade jetzt in den tragischesten aller Zeiten, da jeder von uns eine Welt von Trauer und Jammer trägt, wenn mitten unter den Orgien tierischen Hasses die Welt zu hoffen wagt auf einen künftigen Bund friedlich miteinander an Kulturwerken wetteifernder Völker, so ist diese in rotem Blutmeere wie eine Wunderblume von nie geahnter Schönheit aufspriessende Hoffnung letzten Endes der Erziehung zum jüdischen Idealismus zu danken, zu jenem Idealismus, der schon vor dreissig Jahrhunderten, als der Krieg das tägliche Brot der Völker war, einen unserer grössten Söhne von der Zeit weissagen Hess, in der die Marterinstru-