Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 97)
- Language
- German
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Das Amt. 87 genwart das in weiter Ferne Liegende zu umspannen, den Korninenden eine bessere Welt zu bereiten, so haben in der jüngst verflossenen Vergangenheit Männer unseres Stammes die seelenlosen Massen zu neuem Leben erweckt, die verstreuten Knochen, wie in der Totenfeldvision Ezechiels mit einer Seele begnadet, sie zum Bewusstsein ihrer Kraft und ihres Wertes gebracht, ihnen die Macht verliehen, die morsch gewordene Gesellschaft aus ihren Angeln zu heben und das uralte jüdisehe Ideal der sozialen Gerechtigkeit seiner Verwirklichung näherzubringen. Wo immer gekämpft wird um Befreiung von mittelalterlichen Banden, um Sprengung schimpflicher Ketten, um Erlösung aus geistigem Drucke, da stehen Söhne Israels heute wie vor Jahrtausenden kämpfend und führend, leidend und blutend an vorderster Stelle. Stolz sollt Ihr wieder darüber empfinden, dass Euer Stamm der stärkste ist unter den Bildnern der ewigen Werte. Wir, die Schwachen, wir, die Geschmähten, wir, die Gedrückten, wir, die Verfolgten, haben den mächtigsten Staaten und Völkern den Weg ihrer Geschicke geebnet. Der jüdische Imperialismus, der einzige, der den Menschen nicht zum Fluche, sondern zum Segen gereicht, der einzige, der nicht bedrückt, stondern erhebt, der nicht knechtet, sondern befreit, der nicht verwundet, sondern heilt, der jüdische Imperialismus, der seinen höchsten Ausdruck findet in dem Bibelworte: ■(}es. xi. 9) כי מלאה הארץ דעה את ד׳ כמים לים מכסים ״Kommen muss, kommen wird die Zeit, in der unsere Weltanschauung die ganze Welt erfüllen wird,“ unser Imperialismus ist der einzige, der ungestraft Jahrtausende in die Schranken fordern darf, der einzige, der keinen Niedergang und keine Niederlage zu fürchten hat, der unbeirrt und unbesiegbar in mählichem, aber stetigem Fortschreiten seinem Ziele zustrebt. Was im Altertume ein tiefer Denker und Staatsmann in der ewigen Stadt gesagt, als das weltumspannende Römerreich sich gerade anschickte, dem gehassten und verachteten Judenvolke den vermeintlichen Gnadenstoss zu versetzen, was mit tiefem Verständnis Seneca von uns mit den Worten bezeugt: ״Die Besiegten zwingen die Sieger unter ihr Gesetz“, das gilt für alle Zeiten und alle Völker. Als wir vor mehr als 2500 Jahren, an Leib und Seele gebrochen, unser vom Feinde zerstörtes Vaterland verlassen und in die Verbannung wandern mussten, da genügten wenige Jahrzehnte und das anscheinend für die Ewigkeit zertrümmerte Israel findet in sich — ein unerhörtes Wunder — die übermenschliche Kraft, bestimmend einzuwirken auf die geistige Entwicklung des gewaltigen Per- * serreiches. Wer die Kapitel zu lesen versteht, die ein ungenannter Seher im babylonischen Exil sich aus der Seele gerungen, wer sie zu vergleichen versteht mit den jüngst aus dem Trümmerhaufen Susas zutage geförderten Denkmälern, der