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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 86

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 86 (sequence 96)
Language
German
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IRI
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86 Das Amt. scharf soll sich das Bild meiner Persönlichkeit vor Eueren Augen abheben, ein freier Mann, will ich zu freien Menschen sprechen, mit freien Menschen wirken, wenn nötig und wo nötig, zur Freiheit Euch erziehen. Nicht vermag ich Sünden zu lösen und Seelen zu binden, die Wonnen des Paradieses kann ich Euch nicht verheissen, die Qualen der Hölle nicht androhen. Nicht soll ich Euch erscheinen als Vertreter der Gottheit, noch steht es mir zu, bet der Gottheit Euch zu vertreten. Vielleicht kann ich den Weg Euch weisen, der zu dem Göttlichen führt, das in Euerem Inneren lebt, in Euerer Seele, in Euerem Gewissen. Ich werde Euch nicht sagen, hier ist die Wahrheit, glaubet daran, beugt demütig Euer Haupt unter ihr Joch. Euer irrender Bruder bin ich, unfehlbar ist in mir nur das heisse, leidenschaftliche unbeirrbare Streben nach Wahrheit. Vielleicht kann ich den Weg Euch weisen, der zur Wahrheit führt, doch den Weg kann ich für Euch nicht gehen. Aus eigener Kraft muss ein jeder seine Hindernisse und Fährlichkeiten überwinden lernen. Und trotzdem, meine Freunde: gross ist die Macht, die in meine Hand gelegt wird. Den alten heiligen Judenstolz, die wundertragende, wundertätige Judenkraft kann ich Euch wieder lehren. Stolz sollt Ihr wieder darüber empfinden, das Ihr dem Volke angehört, das das jugendfrischeste ist unter den am Webstuhl der Geschichte wirkenden. Nicht das ist unser Ruhm und unsere Stärke, dass wir die älteste bilden unter den an der Befreiung der Menschheit schaffenden Kräften, sondern, dass wir trotz unseres Alters, obschon wir den Pyramiden gleich vier Jahrtausende auf unseren Schultern tragen, so blühend sind und schaffensdurstig, so gegenwartsfest und zukunftssicher, wie an dem Tage, da wir in grauer Vorzeit ins Licht der Geschichte getreten. Auch andere Völker gibt es, die wie wir auf Jahrtausende zurückblicken, reich an unschätzbaren Kulturwerten, doch die ungezählten Millionen, die an den Ufern des sagenumströmten Ganges leben, die Söhne des Reiches der Mitte, sie sind verdorrt, zu Mumien vertrocknet, sie leben kümmerlich von den Abfällen ihrer einst üppig besetzten Tafel, sie haben seit Jahrhunderten kein neues Wort der Welt zu sagen. Doch wir, wir leben! Entscheidend und bestimmend ist unser Wirken heute wie an dem Tage, da wir den Söhnen Adams das göttliche Geschenk der Bibel gebracht. In den langen, langen Jahrhunderten unseres Daseins hat es kein Volk gegeben und kein Geschlecht, das, mit uns in Fühlung getreten, nicht erstarkt wäre, sich nicht bereichert hätte an den Schätzen unseres Geistes und unserer Seele. Wie einst unsere unvergleichlichen Propheten die Menschen gelehrt, an die Zukunft zu denken, für die spätesten Geschlechter sich zu mühen, aus der Enge der Ge-

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