Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 95)
- Language
- German
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- IRI
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Der Prophet. 85 i Wirblicbte Wolken Glühend heissen Sandes, Wandelnde Berge Sieht man ziehn: Duckt euch, duckt euch 1 Drücket plait zu Boden Euer Angesicht! Und wenn er vorbei ist, Und ihr noch lebt, Dann erhebet euch! Schüttelt den Sand Aus Nase und Mund Und ihr lebt! Ihr lebt! Aber ich sage euch, duckt euch nicht! Zerschellen wird der Sturm Sein Haupt an den Mauern von Jerusalem, Wenn ihr euch bessert, wenn ihr glaubt. Heranwälzen wird sich Wie ein Strom der Assyrer Heer. Blitzen wird’s von Waffenglanz und Sdimuck. Alles werden sie zertreten und zerstampfen Und begraben unter ihrer Flut. Doch hier gebiete ich ein Halt! So spricht der Ewige. Und hingeschlachtet sollt ihr sehen Den Riesenleichnam eueres Feindes.“ Der Prophet — starr, wie leblos liegt er da Unter wuchtenden Gedanken zer» brochen und zermürbt. Doch, es ist vollbracht! Wie ein leuchtender Nebel Schwebt sein Gedanke über ihm. Er erhebt sich über die Häupter der Menschen, Er erhebt sich über die Geister. — Doch da rufet eine Stimm’ in ihm: „Auf, erhebe dich! Gürte deine Lenden! Gehe hin und rede zu dem Volk! — Schön ist es wohl, den Gedanken zu gebären, Doch schöner, ihn in die Tat zu wandeln“. — — In derVorhatle desTempels steht er da Und spricht zum Volk. Der Pöbel schimpft und schwatzt, Doch mählich wird er still; Denn einen Funken Gottes Wecket der Prophet in ihm. Riesengroß wächst die Gestalt Und die Hand, die reckt er in die Ferne aus. Und greifbar nah liegt das Land der Zukunft da: — Der Menschheit Messias wird geboren Oberrabbiner Dr. H. P. Chajcs, Wien. Kehret um zu mir umkehren zu euch. . . so werde ich (Zacharia 1,3) Das Amt. Die Antrittsrede, die Oberrabbiner Dr. Chajes hielt, als er am 3. August 1918 in Wien sein Amt antrat, hat — dünkt uns — historische Bedeutung erlangt. Sie ist das mutige, hochherzige Bekenntnis eines freien Dieners seines Volkes und kennzeichnet eine neue Aera im Judentume. Tiefe Genugtuung schwellt meine Brust an diesem für mein Leben entscheidenden Tage, da ich Besitz ergreife von der Kanzel, die zu den ragendsten im Judentume gehört. Schwer ist die Verantwortung, die auf mir ruht, gross aber auch die Macht, die in meine Hand gelegt wird. Nicht jene Macht ist es, die die Gläubigen anderer Völker und anderer Bekenntnisse ihrem Geistlichen zu eigen geben. Kein Priester steht vor Euch von Weihrauchsnebel umhült, klar und