Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 94)
- Language
- German
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84 Ein jüdischer Malerpoet. von Michelangelo lebt auch in ihm die zwingende Kraft des Gottesverkünders. Jahrtausende der Demütigung fallen ab von ihm, aufrecht und stolz bekennt er sich zu dem einen, jüdischen Gott. Dennoch enthält sein Buch auch viele Elemente von fremder, europäischer Kultur. Am interessantesten drückt sich diese Mischung im Gedichte „Schma Jisroel“ aus. Wie meistert er da die markigen Worte der deutschen Sprache, wie souverän beherrscht er die Rhythmen des romanischen Sonettes, um es in hinreissendem Schwünge hinaufzutreiben zu den ewigen Worten: Schma Jisroel. Dieser Künstler, der ganz von jüdischem Geiste erfüllt ist, ist in seiner Formensprache Europäer, Deutscher. Wenn dieses Buch vor allem für die Juden eine höhere Bedeutung hat, so soll damit noch nicht gesagt sein, dass es n u r von Juden bewertet werden will. Es gehört zum guten Teile der deutschen Kultur und in seinem edelsten Teile der ganzen Menschheit. Dieses Hinausstreben aus der Erdenenge zum Höchsten, zum Gott, zum Ideal, dieses Ringen um die höchste sittliche Freiheit, bleibt in allen Zeiten bestes Menschheitsgut. Dr. Benjamin Fuchs, Czernowitz. Der Prophet Erdröhnt’s in seinem Innern: Gedanken rufen nach Gestaltung Und wollen durch das Wort geboren Auf seinem Lager überfällt es ihn. Gleich dem Gebrüll von lausend Sie jagen in seinem Innern hin undher, Verwirrt und wirbelicht verschlungen, Ein großes Chaos, eine ungebor’ne Löwen Weit. sein. Sein Körper bebt. In seinem Hirne werden Gedanke und Wort Zur Einheit verschmolzen. In Reihen geordnet Strömen sie aus. Und um Mitternacht Erhebt er sich vom Lager Und nimmt die Tafel jäh zur Hand In eisigem Schauer bebt sein Körper, Doch es arbeitet sein Geist. — Und er schreibt und schreibt: Doch wie ein leuchtend Feuer, Dessen Flammen züngelnd inein* „Vom Osten, vom Assyrerland, Von dort her kommt der Sturm. Braungrau ist sein Gewand Und glühend ist sein Atem Und Stadt’ und Länder Verdorren unter ihm. Und wo er war, Da bleicht Gebein. ander brennen, EinheitlicheQuelle alles Flammens ist, Beherrscht ein großer Wille dies Gewirre Und ist die Wurzel ihres Seins. In ihr Kreisen, in ihr Rasen Bringt er Ordnung, bringt er Sinn: „Dieses Volk, es darf nicht untergehen. Dem Gott sein Wort hat offenbart. Lebendig Zeugnis, muß es wandeln Durch Zeiten hin zur Ewigkeit. Und in seinen Händen schirmend Wenn einsam in der Wüste Die Karavane zieht, Da sieht der Führer plötzlich In der Ferne eine Wolke glühn. Und er ruft: Der Samum, der Samum I tragen Das göttliche Gesetz“.