Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Ein jüdischer Malerpoet. 83 seligen Rest von einem Menschen herab. Aus den unerträglichen Schmerzen des Krankenbettes erlöst ihn die Krankenschwester. Wie ein stiller, sanft-leuchtender Stern erscheint sie an seinem Lager. Wie schildert er sie so wunderschön, mit dichterischer und malerischer Kraft zugleich, ihr weisses, leise rauschendes Kleid, das wie eine stille Insel in seiner Hölle Qualen auftaucht, ihren stillen Schritt, ihre sanfte Hand. In diese Hand lässt er sein ganzes, ungebändigtes Ich hinströmen, seine ganze hochfliegende und nun fast gebrochene Seele. Der Turm Gottes, wie er sich nannte, die Festung, Uriel schwankt und droht in die Nacht zu versinken. Doch findet er wieder zum Licht aus „Dunkelheit und Ferne, aus der Ewigkeit kommt er zurück, gelockt vom Lichte ihrer Augensterne, zu ihrer Güte und zu ihrem Blick“. Die Titelbilder der beiden folgenden Kapitel sind „Seuche“ und „Pogrom“. Mit hängenden Brüsten und eklem, aufgequollenem Leib hockt die Grippe über der Stadt, den fetten Krötenfuss gierig nach ihrer Beute ausgestreckt. Eilig schreitet der Pogrom durch die Gassen, grauenhaft und riesengross seine Fledermausflügel ausbreitend, scheint er selbst die Sonne zu überschatten. Entsetzt weicht der ge*duckte Jude vor dem Gespenst zurück, wildeste Todesfurcht im Auge. Die entsetzte, fliehende Gebärde des hilflos-kleinen Menschen vor den Gewalten, die ihn umdrohn, ist charakteristisch für Birnbaums Kunst. Wir sahen sie schon einmal in einem Gemälde, das einen Künstler darstellte, wie er vor der Dämonie seines eigenen Werkes flieht. Sie kehrt wieder in dem Blatte „Verwundung“, das vielleicht zu den stärksten der eindrucksvollen Serien gehört. Die Blätterfolge, die sich aus „Gottes Krieg“ ergibt, könnte Birnbaum ebenso gut auch „Totentanz“ benennen. Sie würde durch die Nachbarschaft von Holbein und Rethel nicht leiden. Mit visionärer Kraft ist da der Tod gesehen. Seine grauenhafte Majestät tritt unverhüllt zu Tage; er braucht keine Maske, er verschmäht jede List, im unau.haltsamen Vorwärtsschreiten hat er den Menschen besiegt, noch bevor ihn dieser erblickte. Das Buch, das in jeder Seite von Gott wiederhallt, von Gott, dem Ewigen, dem Gewaltigen, dem Herrscher der Heerschaaren, zeigt keinmal den Versuch, ihn auch im Bilde, sinnlich wahrnehmbar, darzustellen. Sollte Uriel Birnbaum hier als Maler versagen, liegt hier Mangel an schöpferischer Phantasie vor oder ist es künstlerische Absicht, kluge Beschränkung? Man wird wohl ruhig das letztere annehmen können und vieLeicht noch als Hauptmotiv das alte jüdische Bibelverbot. Dieser moderne Künstler sieht ganz darnach aus, als wären ihm noch heute alte jüdische Satzungen heilig, als würde er da noch stehen, wo einst unsere Propheten gestanden. Der gleiche Glaubenseifer durchglüht auch ihn, wie in Moses 6