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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 82

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 82 (sequence 92)
Language
German
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IRI
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82 Ein jüdischer Malerpoet. sie wieder zu ihm finden und durch tausend Höllen geht der Weg. Der junge Künstler, ein Knabe fast, stürzt sich selber in das Meer von Unglück, das dieser Krieg über die Menschheit bringt, denn auch er fühlt sich schuldig, auch er will leiden und büssen. Er wird assentiert, abgerichtet und an die Front geschickt, und nun, vor der grauenhaften Wirklichkeit beginnt sein Glaube, diese Schrecken seien von Gott gesendet, zu wanken. Hier sieht er den Krieg in seiner wahren Gestalt, nicht mehr göttlich gut, sondern: Zum Alp und Scheusal bist du jetzt geworden! Das ist nur Marter mehr und nicht mehr Morden! Das ist nur Elend mehr und nicht mehr Leid! Das ist nur Jauche mehr, die allen Borden Entströmt, zunicht macht Gottes Herrlichkeit. Krieg! Grosser Krieg! Du schienest Gottes Kleid, Gestürzter Cherub: Satan bist du heut! Das Leid, das er suchte, wird ihm in überreichem Masse zuteil. In jeder Form lernt er es kennen. Ein teurer Freund fällt ihm am Isonzo und die Sonette, die er seinem Andenken weiht, sind von einer grossempfundenen, griechisch anmutenden Trauer. Ungemein ergreifend ist die unpathetische Gebärde des Abschiednehmens, durch welches die Hoffnung auf endliche Wiedervereinigung klingt. Leb’ wohl! leb' wohl! Und gebe Gott dir Frieden Und mir den gleichen Frieden: Wenn nicht hier Auf Erden mehr — so einst dem Erdenmüden In seiner Glorie: Lind dann neben dir! Das Leben in den Cavernen, vertiert, verlaust, Hunger, Kälte, die Weissglut an der italienischen Front, Nahkampf, Trommelfeuer, das sind die Leidensstationen, die ihn zur grossen Passion führen, zur Schlacht, in der er durch eine Granate schwer verwundet wird. Der Jammer des Physischen, der kranke Leib, der die starke Seele zu bewältigen droht, werden mit tief ergreifender Wahrheit geschildert. Die Szenen am Hilfsplatz, im Auto, das ihn aus der Feuerlinie schafft, am Operationstisch, wo ihm ein Bein amputiert wird, sind so wundervoll wiedergegeben, dass man sich fragen muss, welche eminente geistige Kraft in diesem schwachen Körper wohnen musste, dass er in solchen Augenblicken so beobachten und so urteilen konnte. Ein ungemein rührendes Bild leitet das nächste Leidenskapitel ein: Im Spital. Ein schmales eisernes Feldbett, in ihm jammervoll und leidverzerrt mit hohlen Wangen der Mensch, über ihm, an der Wand, fast wie an Stelle eines Kruzifixes, der Tod. In sonderbarer, symmetrischer Weise wie ein offener Fächer breiten sich seine nackten Rippen aus. Ruhig und unabwendlich blickt er aus ernsten Augenhöhlen auf den arm-

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