Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Ein jüdischer Malerpoef. 81 so stark aus seinen Sonetten klingt, musste seinen bildnerischen Trieben weichen. Und Goethes Dichterkraft verschlang die Gestalten seiner bildnerischen Phantasie. Immerhin lässt es sich feststellen, dass bildende Künstler viel eher dazu geneigt sind, zur Feder zu greifen, als Dichter zum Pinsel. Das Wort ist ein Ausdrucksmittel, das um so vieles leichter Verständnis findet und wer die künstlerische Form im Gemälde oder in der Skulptur beherrscht, wird sie auch nicht schwer im Verse finden. Auch klare, knappe und sachliche Informationen über künstlerische Intentionen in mustergiltiger Prosa sind keine Seltenhei. Wer Whistlers ten o'clock kennt, wird die künstlerische Ausdrucksform dieser kleinen Schrift bewundern. Ebenso gibt es autobiographische Notizen von bildenden Künstlern, die wie Feuerbachs Vermächtnis auch literarisch wertvoll sind. Auszunehmen davon wären die vielen schriftlichen Erläuterungen der extremen Moderne. Hier spricht keine doppelte Begabung, sondern Hilflosigkeit und Unzulänglichkeit der einen. Ein moderner Künstler, Dichter und Maler zugleich, ist der Sohn von Mathias Acher, Uriel Birnbaum.*) Er trat zuerst mit einer Anzahl von Gemälden in die Oeffentlichkeit und man kannte ihn als einen hochbegabten und hochstrebenden Maler. Nun liegt ie'in Band Sonette vor uns, in musterhafter Ausstattung bei Löwit erschienen und der merkwürdige Fall tritt ein, dass man gar nicht sagen kann, was er eigentlich ist, wo seine Kunst sich bedeutender äussert, in der Dichtkunst oder in der Malerei. Der Dichter schildert die Erlebnisse von fünf schicksalsvollen Kriegsjahren in der Form von meisterhaften Sonetten und der Maler schmückt die Titelblätter der einzelnen Abschnitte mit Bildern von unvergesslicher, eindringlicher Kraft. Die spielerische und altertümliche Versform umschliesst ein heisses, leidenschaftliches Herz und erfüllt ungeahnte Möglichkeiten. Dieses Herz ist in einer rückhaltlosen und ausschliesslichen Weise von Gott erfüllt, dieser klare, lodernde Geist fühlt sich so sehr als Gottes Kind, dass selbst der pessimistischeste, nüchternste Rationalismus bewältigt schweigen muss. Ueber dem Schutt von Jahrtausenden ersteht in ihm das Bild Gottes, wie es einst die Propheten sahen. Gewaltig im Zorn und über allem Mass erhaben in seiner Glorie. Merkwürdig und echt jüdisch lebt in dieser Seele der Wille zum Leid. Er bildet die fanatische Triebkraft dieses Herzens, denn „Leid ist gut, Leid ist erhaben, im Leid läutert sich die Seele zu Gott.“ „In Gottes Krieg“ nennt er sein Buch. Der Weltkrieg ist ihm ein Strafgericht Gottes, über die sündige Menschheit verhängt. Aus ihrem Pfuhl von Wohlleben und Schande sollen *) Drei seiner bedeutendsten Malerwerke, die Zyklen „Die Schöpfung“, „Der Wurm" und „Gottes Krieg" befinden sich in Privatbesitz in der Bukowina.