Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Der Journalist. 79 in Umlaut. Sie werden verbreitet, werden verpflanzt und von Mund zu Munde getragen, bis sie sich im öffentlichen Bewusstsein verankern. Der Journalist bleibt anonym. Das ist sein Los. IV. Unter den vielen mächtigen Feinden und Anhängern des Journalisten sind zwei von besonders scharfer Prägung. Der eine ist ein Philosoph und der andere ein Kaiser. Der Philosoph heisst Arthur Schopenhauer und der Kaiser heisst Wilhelm II. Es liegt im Grade der Begabung des Menschen, wenn sich zwei Eigenschaften selten zur harmonischen Ergänzung der Persönlichkeit vereinigen. Ich folge den Intentionen der Natur und ziehe zwei mit verschiedenen Qualitäten heran. Beide gehören der Geschichte an. Schopenhauer wegen seiner Philosophie und Kaiser Wilhelm vielleicht eben wegen des Mangels an Philosophie. Schopenhauer war ein grimmiger Hasser der Journalisten. Er nannte sie Halunken und Spracliverhunzer. Was er einmal von dem von ihm befehdeten Gelehrten sagte, dachte er auch über die Journalisten. Er fasste seinen Hass in die bissige Formel: „Dann erlaubt mir gehorsamst zu bemerken, dass Ihr in jedem Sinne gemeine Kerle seid“. „Habt mehr Ehr im Leibe und weniger Geld in der Tasche“. Ganz anders Kaiser Wilhelm. Seinem Bruder, dem Prinzen Heinrich von Preussen gab er, als dieser sich nach Amerika begeben sollte, zum Geleite: „Verhalte Dich gut mit den Journalisten, denn sie sind kommandierende Generale“. Es fällt schwer, zu entscheiden, welcher der beiden Anschauungen die absolute Wahrheit zuzuerkennen ist. Schopenhauer hatte die Journalisten seiner Zeit im Auge. Und ich muss gestehen, dass er mit der Härte seines Urteils auch eine gewisse Weitsicht verband. Wir haben auch Halunken in unserer Mitte. Aber zum Glücke ist die geschmähte Masse mit einem so feinen Sinn für die Ausfindigmachung des echten, reinen Elementes im Journalistenstande und für die Aechtung des Minderwertigen ausgestattet, dass man sie ruhig ihrem Urteil überlassen darf. Nichts, was echt, rein und gross ist, lässt sich verbergen und kein Haderlump wird lange maskiert bleiben. Ich sehe den Tepp mit entseelten Buchstabenkolonnen Journalistik simulieren. Ich sehe, wie er die Stirne in Falten legt, um die Aufschrift zu verhüllen, die in schreienden Lettern ruft: Du Narr! Gewiss, es gibt solche auch in den Reihen der nachschopenhauer’schen Journalisten. Aber ebenso wenig, wie ich mich entschlossen kann, den Ausspruch Kaiser Wilhelms absolut gelten zu lassen, ebenso wenig kann ich mich entschlossen, Schopenhauer allein gelten zu lassen. Ich wähle den Mittelweg. Es gibt unter den Journalisten Halunken und