Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Der Journalist. kommandierende Generale. Aber nicht ausschliesslich Halunken und nicht ausschliesslich kommandierende Generale. V. Wie kommt dieses Bild in diesen Rahmen? Weil tast kein Journalist im Rahmen eines jüdischen Almanachs ein völkisch fremdes Element bildet. Martha Kern, Czemowitz. Ein jüdischer Malerpoet. Das Wesen des Künstlerischen lässt sich vielleicht da am besten erfassen, wo es in doppelter Aeusserung auftritt. Künstler mit vielfältiger Begabung hat es immer gegeben und das vergleichende Studium ihrer Werke war zu allen Zeiten aufschlussreich und interessant. Die Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Künsten treten klar zu Tage und es wird offenbar, dass ein Boden sie alle nährt. Vielleicht erklärt sich auch daraus die überraschende Anzahl der künstlerisch doppelt Begabten, die aus der Masse der künstlerisch ganz Unbegabten hervortritt. Von den bildenden Künstlern des Altertums soll da gar nicht die Rede sein, die wie Phidias alle Disziplinen ihrer Kunst, Architektur, Bildnerei und wahrscheinlich auch die Malerei beherrschten. Das sind verwandte Künste und bis in die moderne Zeit, die ja so sehr zu Spezialisierungen neigt, waren malende Baukünstler und architektonisch begabte Maler keine Seltenheit. Anders verhält es sich, wenn ein Künstler zu gleicher Zeit Talent und Neigung sowohl zur bildenden als auch zur tönenden Kunst zeigt. Die Voraussetzungen sind für diese Künste ganz verschieden, ihre Ausdrucksform eine ganz andere. Der bildende Künstler schafft im Raume, er hat Gesichts-Halluzinationen, der Dichter oder Musiker hat Gehörs-Halluzinationen und seine Schöpfungen bewegen sich in der Zeit. Auf diese entscheidenden Grenzen hat ja schon Lessing hingewiesen und dennoch gibt es Künstler, welche die beiden so verschiedenen Gebiete beherrschen. Fast sämtliche Maler der Renaissance haben sich als Dichter versucht; in der modernen Zeit steht Goethe an der Spitze von denjenigen, die sich erst nach schweren inneren Kämpfen für die Dichtkunst entschieden, für die aber bildende Kunst durchs ganze Leben Lockung und Anreiz war. Man muss nur an die Gemälde Gottfried Kellers denken oder an die vortrefflichen Handzeichnungen Hermann Hesses, die erst kürzlich erschienen sind. Zwei Talente in gleichem Masse zu pflegen, erscheint jedoch unmöglich. Michelangelos dichterische Begabung*, die