Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/7938572-9582826--076-9575420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Anteil der Juden am Wirtschaftsleben in der Bukowina. 67 durch Fleiss und rationelle Bewirtschaftung die Pachtgüter in die Höhe brachten. Jeder Jude am Lande, der eine Schänke oder einen Kramladen hatte, erwarb auch eigenen Grund und Boden aus Freude an der eigenen Scholle und um aus Eigenem die Bedürfnisse seines Hausstandes decken zu können. Die Agrarreform, die jetzt durchgeführt wird, hat den Beruf des jüdischen Pächters und den des kleinen jüd. Grundbesitzers total vernichtet und den Grossgjrundbesitz derart eingeschränkt, dass dessen Rentabilität zusehends schwindet. Im Anschlüsse an die landwirtschaftliche Produktion entstand bei uns die Industrie. Die ersten industriellen Betriebe waren die Brennereien, dann die Brauereien, Hefefabriken und die Sägewerke. ■' Die Brennereien wurden und werden beinahe ausschliesslich' von Juden betrieben, selbst dort, wo die Landwirtschaft vom Gutsherrn selbst verwaltet wird. Die Entwicklung der Bierbrauerei brachte es mit sich, dass dieselben zu grossen Fabriken umgestaltet wurden. Die älteste Brauerei des Landes, die Aktienbrauerei, hat zu ihren Gründern grösstenteils Juden, die anderen grossen Brauereien sind ausschliesslich in jüdischem Besitze, ebenso die grossen Spiritus- und Likörfabriken. Die grösste Industrie des Landes ist die Holzindustrie. In ihren Uranfängen und bei der ursprünglich primitiven E\- ploitierung der Wälder und Verwertung der Holzprodukte waren fast nur Juden beteiligt In den 70ger Jahren kamen fremde Firmen ins Land, die nach und nach beinahe die ganze Holzindustrie an sich gerissen haben. Unter diesen Firmen befanden sich viele jüdische, Im nördlichen und südlichen Gebirge blieben noch immer grosse jüdische Firmen. Die in den 90er Jahren und im Jahre 1908 eingetretenen Krisen auf dem Holzmarkte und in der Forstindustrie haben den letzten Rest dieser Firmen vernichtet. Schön vor dem Krige begann überall die Vergesellschaftlichung der privaten Unternehmungen, deren Aufsaugung durch das Grosskapital und die Grossbanken. Ein Prozess, der auch vor der Bukowina nicht halt machte. Diese Vergesellschaftlichung der Industrie bedingt die Ausscheidung des Privatunternehmers, an dessen Stelle die unpersönliche Aktie tritt, aber auch hier kann man die Beobachtung machen, dass der Jude nach wie vor Hauptbeteiligter am Unternehmen bleibt und dasselbe leitet. Nach einer Statistik, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch erhebt, gehören von 34 grösseren Sägewerken 28 Juden. Da in der Bukowina die wichtigsten Faktoren für die Industrialisierung, Kohle, Eisen, Wolle und Baumwolle fehlen,