Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 74)
- Language
- German
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Dr. Moritz Rosenheck, Czernowitz. Der Anteil der Juden am Wirtschaftsleben in der Bukowina. Eine Binsenwahrheit. Die Wirtschaft, die soziale Schichtung, ja sogar die physische Entwicklung eines Volkes sind bedingt vom Klima, von der Figuration des Bodens, von der Fruchtbarkeit und von den vorhandenen Naturschätzen. Bei uns Juden kommt noch' ein sehr wichtiges Moment, speziell für die wirtschaftliche Entwicklung, hinzu. Es ist dies die durch Gesetze bewirkte Einschränkung des freien Verkehrs, der Ansässigkeit und der Zulassung zu allen Berufen. Es ist noch nicht so lange her, dass die Beschränkungen, denen die Juden im alten Oesterreich und somit auch in der Bukowina unterworfen waren, gefallen sind. , Ich habe noch unter den Papieren meines verstorbenen Vaters ein Majestätsgesuch aus dem Jahre 1865 vorgefunden, in welchem er um die „Gnade“ bat, einen Grund für einen Hausbau kaufen zu dürfen. Vor dem Jahre 1867 war die jüdische Bevölkerung sehr spärlich, wenn auch, zumal in den von den Ruthenen bewohnten Bezirken, jüdische Ansiedlungen schon im 18. Jahrhundert und früher vorhanden waren und es Familien gibt, die bereits in der 8. Generation im Lande wohnen. Durch die Verfassung von 1867, durch welche die Juden emanzipiert wurden, kam ein frischer und freier Zug ins Wirtschaftsleben der Juden. Der bis nun verbotene Ankauf von Grund und Boden war gestattet und es begann ein lebhaftes Hinausziehen auf die Dörfer. Nach und nach entstand ein bedeutender Stand der Grossgrundbesitzer und vor Beginn des Weltkrieges waren bereits 42 Prozent des landtäflichen örossgrundbesitzes in den Händen der Juden. So mancher jüdische Gutsbesitzer hat aus seinem ganz vernachlässigten und durch irrationelle Pächterwirtschaft ausgesogenen Boden mit vielem Fleiss und Verständnis Mustergüter geschaffen. Dass der Jude in Ackerbau und Landwirtschaft volle Befriedigung gefunden, beweist zur Genüge der Umstand, dass diese als der vornehmste Beruf galt und sich Generationen mit der Pacht Wirtschaft befassten. Der christliche Grossgrundbesitz war durch Jahrzehnte beinahe ausnahmslosan Juden verpachtet und waren die jüdischen Pächter sehr gesucht, weil sie