Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 69)
- Language
- German
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Das ewige Martyrium. 63 ist, steht auch am Tag unter dem Eindruck der weiten Ebenem In der ergreifenden Stille der ukrainischen Nacht fühlt man sich aber seltsam bewegt unter dem gewaltigen Himmel, der wie über dem Meer in unendlicher Ferne den blauenden Horizont berührt. Millionenfaches Licht strahlt aus den Sternen, die man so dicht nirgendwo anders gesehen zu haben meint. Herrscht am Tage auch in kleinen Städten ein bewegtes Leben, wickelt sich dieses bunt auf den Strassen ab, so hüllt die Nacht bald alles in Schweigen. Auch die Promenade der e s en Abendstunde ist gedämpfte Unterhaltung der Lustwandelnden. Man geht hier so gerne spazieren. Auch das Volkslied singt davon. „Spazieren senen mir gegangen.“ Bald aber ist alles daheim beim summenden Samowar und nur der Fremde sucht das Restaurant auf, in dem Musik die Mahlzeit begleitet. Aber auch hier und selbst in einem Vergnügungslokal scheint es, als hörten die Menschen nur mit halbem Ohre zu, als zöge es sie hinaus in die -magische Stille, die „lockt und schreckt zugleich — wie das Meer.“ So geht einer nach dem anderen fort und wird von der Stille verschlungen. Die verhallenden Schritte aber machen die Stille noch fühlbarer, noch umfassender. In diesen stillen Nächten ist es, wo das Leben dieser ungekannten Welt, dieser seltsamen Menschen zu uns spricht, wo immer wir auch sind, in der guten Stube eines Lubomler Patriziers, vor dem verfallenen Bade in Melnice, im ungeheuren Obstgarten von Kamin-Kaschirks, im Seitengange eines überfüllten Eisenbahnwaggons, wo man nach Türkenart mit unterschlagenen Beinen hockt, vor der Quarantänestation der Reemigranten oder am Balkon des Hotels in Rowno, aut der Chaussee nach Holodja oder am Ende des pogromierten Dorfes Newo-Wischweh .... L u b o m 1, März 1921. Schon sind die Besucher fort und durch das offene Fenster strömt der Vorfrühling herein. Nur eine abgehärmte Frau steht noch im Zimmer und erzählt mit breitem klagendem Ton. Sie malt das Leben in Kremno vor dem Pogrom. Dann brach auch über dieses stil'e Dorf das Unheil herein und 60 Männer und Knaben und 3 Kinder waren die Opfer mordlustiger Banditen in Uniform. Tagelang währte das Abschlachten. Man rannte hin und her, ihren Mann verlor sie aus den Augen, ihr Bub blieb blutüberströmt liegen und erst später fand sie ihn. Vor ihren Augen wurde ihre Nachbarin geschändet. Sureh L. schluchzt in Erinnerung an ihre Todesangst: man hat ihr gesagt, ihr Mann sei tot. Alle Männer waren tot, nur ein, Schuster lebte noch und dieser half den Frauen, die Leichen begraben. Es war Befehl, dass die Frauen diese Arbeit tun. So sammelten