Mannheim
Compact Memory

Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 62 (sequence 68)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/7938572-9582826--069-9575413
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

62 Das ewige Martyrium. der Joint soviele fette Posten vergeben hat, ihre unermüdliche Mitarbeit auch der amerikanischen Hilfsaktion leiht und jeden Gehalt ablehnt. Reizeh hat es selbst knapp und ihre Toilette ist dürftig. Aber was sind ihre Kleider, wenn sie kranke Kinder heilen kann, was ist ihr äusserlicher Tand, wenn sie Kinder für einen Erwerb vorbereiten kann, was sind ihr alle Mädchentreuden, wenn die Kleinen ihr entgegenjubeln, mit ihr spielen und sie weiss, dass sie ihnen erschlagene Mütter, verschollene Väter ersetzen kann! Einen einzigen grossen kaum ausgesprochenen Wunsch hatte Reizeh, als ich sie sprach. Für ihre Schützlinge ein eigenes kleines Waisenheim! Damals waren ungefähr 2 Millionen polnischer Mark dazu nötig. Fünftausend Schweizer Franken! Da hätte sie ihre Familie vereint und siie betreut, bis sie ihrer Hilfe nicht mehr bedurft. Wie gerne hätte ich es ihr zugesichert. Aber Tage kommen und gehen, eine Welle neuen Judenleides jagt die andere — und die jüdische Welt wird müde. Die Nerven reagieren nicht mehr wie einst auf die ersten Schreckensnachrichten. Immer sensationeller muss eine Schreckensnachricht sein, wenn sie tätiges Mitgefühl auslösen soll, immer grauenhafter muss das Unheil gemalt werden, wenn Abhilfe kommen soll. Und was bedeuten die Waisen- und Elendkinder Reizeh Lewins, wenn in Russland Leichnahme verrzehrt werden? So wird wohl Reizeh Levin ihr Werk allein fortführen müssen, das, nach richtigem Maasse gemessen, vielleicht höher anzuschlagen ist, als viele Wohltätigkeit reicher Institutionen. Und es ist mir nicht bange um sie. Denn während ich ihr in diesen flüchtigen Bildern ein kleines unscheinbares Denkmal setze und — vielleicht vergebens — an menschliche Hilfe appeliere, wirkt sie fort in beglückendem Schaffen und schafft, denn etwas steht ihr be/, das alle Hindernisse überwindet: Eine unendliche mit allem Hässlichen der Zeiterscheinungen versöhnende Liebe! Und wenn im Rückerinnen die Bilder der verwüsteten Ukrraine am Auge der Seele vorüberziehen, und wenn das viele Rätselvolle und Wunderbare und Hässliche und Schöne ukrainischen Judentums plötzlich wieder auftaucht und wenn schreckhafter Traum wieder einmal wahnitzige Bilder malt, — immer wieder taucht das Bild jener stillen jüdischen edlen sozialen Arbeiterin auf, die sich ihres Wertes nicht bewusst ist — das Bild von Reizeh Lewin. .. V. Tichaja ukrainskaja Nocz. R o w n o, Sommer 1921 Die stille ukrainische Nacht, die der Dichter besingt, voll unsagbaren Zaubers ist sie. Wer an Hügel und Berge gewohnt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.