Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 70)
- Language
- German
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64 Das ewige Martyrium. sie die Leichen. Line nahmen sie von einem Flanken herab. Dort hing sie, eine Kugei im Kopte. Als alle Leichen im Grabe lagen, sagte ein Bauer zum Schuster: „Liner tehlt noch“. Wie sich dieser tragend umsieht, wird er niedergeschossen und tällt in das ottene Grab. Als man später die loten ausgrub, tand man ihn, wie er krampfhatt eine . Leiche umklammert hielt. Sureh L. hat ihren Mann unter den Toten gesucht, aber das Herz sagte ihr, dass er nicht dabei sei. Und nun hat sie Recht behalten. Die Fogromhelden haben ihn nur verwundet und m einer seltsamen Anwandlung von Menschlichkeit mitgenommen, um ihn einem Spital abzugeben. Jetzt hatte sie einmal Nachricht von ihm. Weit hinten in Posen ist er interniert. Sie hat nur einen Wunsch, ihn wiederzusehen.DieBemühungen unserer Freunde, an die wir uns wandten, dürften von Erfolg begleitet gewesen sein, denn vor Kurzem erhielten wir Grüsse von einer glücklichen Familie. * R o w n o, März 1921. Ls ist ein Freitagabend, an dem ich endlich den wiederholten Einladungen der Wirtsleute Folge leiste und an dem traditionellen Mahle teilnehme. Mein tiefer Stuhl ist mit einem Tuch bedeckt. Es sind einmal plüschüberzogeneMöbel gewesen. Das Gespräch dreht sich um die Taten von Budjenis Kosaken. Meister waren sie im Plündern. In vier Stunden haben sie aus Rowno alles Transportable weggeführt. Sie haben auch den Plüsch der Möbel genommen und Kleider daraus gemacht. Einer hat sein Pferd und seinen kleinen Wagen damit behängt. Schmuck war besonders gesucht. Ein Finger musste mit, wenn der Ring nicht schnell herunterging. Sie kamen und gingen, Vormarsch1 und Rückzug und wieder von Neuem. Und immer kamen sie mit leeren Mantelsäcken und warfen gefüllte auf ihre Pferde. Die da Erinnerungen auskramt, ist ein Mädchen von zwanzig Jahren. Saschas Haar ist noch ganz kurz, nach dem Typhus noch nicht wieder gewachsen und was ich nie gesehen: ausser hundert Falten an der Stirne eine tiefe, tiefe Falte an der Nasenwotrzel. Es ist nicht der Typhus allein, der Falten zog. Vierzehnmal hat das Städtchen den Besitzer gewechselt, es waren die Oesterreicher dort, die Deutschen, der Hetman, Petljura, die Bolschewiken, die Polen, Petljura, Bolsehewiken, Polen usw. nud jedesmal jagte bleicher Schrecken durch die Gassen. Oft legte man Frauen und Kindern Eisumschläge um den Kopf, um Plünderern epidemisch Kranke vorzutäuschen, jedesmal Angst und Not. Und die Budjenowces! Ein heiseres Lachen klingt noch nach, wenn man sich an manche bizarre Gestalten erinnert, die plündern kamen. Ein Kosak mit rötlichen Bartstoppeln, mit einer rosaFrauenjacke beklei-