Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Das ewige Martyrium. 5# Bahnhof in Warschau ab, weist der Träger die 30 Mark höhnisch zurück, die man ihm in einer generösen Anwandlung anbietet. Der Droschkenkutscher, ein russisch aussehender Mensch mit Nummer und Jahreszahl am Rücken, fordert 3 Mark für eine Fahrt zum Hotel. Er ist zu faul, 300 zu sagen, aber jeder weiss, dass er 300 meint. Zuerst lernt der Fremde die Bedeutung des Wortes „Lapuwka“ kennen, für Lapuwka (Bakschisch) bekommt man ein Hotelzimmer und andere notwendige Dinge. Im praktischen Unterricht lernt man auch manch' anderes Wort. Einer erzählt mir, er habe irgend eine Sache durchgeführt, er habe dabei für „Publizist“ gegeben. Erstaunt über die soziale Fürsorge, der sich die Publizisten zu erfreuen scheinen, höre ich, dass es richtig „Plebiszit“ heissen soll. Es ist die Sammlung, die allenthalben zu Gunsten des oberschlesischen Plebiszites veranstaltet wird. Man spendet auf der 'Strasse, man spendet bei allen Gelegenheiten. Kürbiskerne werden gerne gegessen, 600 Mark kostet ein Kilogramm iiund man kauft sie und „knackt“ sie auf der Strasse. Buben rufen hinter mir „Herr Amerikaner, lasst mich Eure amerikanischen Schuhchen putzen.“ Einer bietet mir Zündhölzer an und hat mir schon 4 Päckchen in alle Taschen hmeinbalanziert, ein anderer fordert wütend, ich solle auch bei ihm kaufen, er sei auch ein Waisenknabe. Der dunkeläugige Jenkel vor meinem Hotel gibt mir eine Schachtel „Papirossen“, Zigaretten mit langem Mundstück und wenig Tabak, 20 Stück für 120 Mark, und verlangt kein Geld, ich sei ihm gut für das Geld, er wisse, ich' „stehe hier auf einer Nummer“ und ich solle ihm dafür deutsche Mark geben. Er holt mir eine Zeitung um 18 Mark und meint „nur deutsche Marken, ich kann sie gut gebrauchen“ ... Vor dem jüdischen Theater viele Menschen. An der Kassa gibt es keine Billetts, dafür werden sie „privat gehandelt“, bis 1000 Mark das Stück. Es wird „Der Dibuk“ gespielt, die Wilnaer Truppe hat das Stück bald 100 Mal zur Aufführung gebracht, aber Dibuk ist eine Epidemie in Warschau, alle 300.000 Juden müssen den Dibuk gesehen haben, der Mörder Pariserberg war am Abend, nachdem er seinen Freund erschlagen hatte, beim Dibuk und wenn ein Bräutigam zum Dibuk für seine Braut keine Eintrittskarten bekommt, geht „die Partie“ auseinander“ ... Im Ukrainischen Hilfskomitee begrüsst mich ein kleines Männlein mit grauem Bart und schön ist der obligate Czai aus dem Buffet geholt und er macht mit mir ein Meeting. Wenn zwei Russen bei einander sind, machen sie ein Meeting, mit mir wird es zumindest eine mehrstündige Sitzung. Vor mir ent-