Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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58 Das ewige Martyrium. die nur so wehrlos, so verlassen und schutzlos waren! Die Spracht ist zu arm, all dies zum Ausdruck zu bringen. Wir wollen nur einen einzigen, durch Zeugen und offizielle Personen beglaubigten Fall mitteilen. Wir wollen das authentifizierte Protokoll in wörtlicher Uebersetzung mitteilen, so schlicht und einfach — ach so furchtbar einfach — es am Tatorte niedergeschrieben wurde: „Protokoll über den Tod des 18jährigen Mädchens Rifka Halkes aus Schatzk: Das Mädchen wurde im Jahre 1919 mit einem feinen Bräutigam aus Brest-Litowsk verlobt. Ihr Bräutigam war gerade zu Besuch1, als im Herbst 1920 die Balachowces ankamen. Haben sie den Bräutigam nackt ausgezogen und ihn an den Schweif eines Pferdes gebunden und durch das Dorf geschleift, dann wälzten sie ihn in Brennesseln. Dann wurde er zwischen zwrei Reiter genommen, jeder hielt ihn an einer Hand in der Luft und so schleppten sie ihn und prügelten ihn durch das Dorf. Schliesslich schossen sie auf ihn und stachen ihm mit einem Spiess die Augen aus. Die Braut fand man bei einem Juden versteckt und wollte sie schänden. Sie wehrte sich und erbat den Tot. Doch es waren zwanzig Mann — und alle haben sie geschändet. Dann wurde sie erschossen, nackt ausgezogen und vor die Türe des Hauses geworfen. Dann suchten sie ihre Eltern, fanden sie und stellten den Vater neben die Mutter und erschossen beide. In der Nacht kam ein Bruder des erschossenen Mädchens aus dem Wald, wo er sich versteckt hatte, in das Dorf, um nach den Seinen zu sehen. Er stiess auf den Körper seiner Schwester, welche noch röchelte und er erkannte sie nicht. Er lief wieder in den Wald.“ Es folgen die Unterschriften von Zeugen und Mitgliedern des Hilfskomitees. * * Wer würde sich da noch unterfangen, ausschmückende Worte zu formen? Zu waten durch1 dieses grell beleuchtete Meer von Blut und Thränen? III. Momentaufnahmen. Warschau, März 1921. Valuta... Kommt man nach Polen, ist sogar die österreichische Krone eine Edelvaluta. So krass ist wohl nirgends die Geldentwertung zu konstatieren. In Galizien ist wohl noch die Erinnerung an den Wert des Geldes einigermassen zu merken, in Kongresspolen und Wolhynien trägt man sich mit vollen Taschen schmutziger, zerfetzter Banknoten herum und muss sie mit vollen Händen ausgeben. Steigt man am Wiener