Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 63)
- Language
- German
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57 Das ewige Martyrium. sehen jener Welt, in welcher Menschenfamilien ruhig schlafen, und der Wüstenei, in der schmachtende Pogromwaisen hungernd ihre müden Körperchen ausruhen lassen — von einem traurigen „heute“ in ein finsteres „morgen“ hinein. II. Das Grauen von Schatzk. K o w e 1, Frühling 1921. Zu den Orten, in denen die Balachowces am schrecklichsten gehaust haben, gehört Schatzk im Kowler Kreis, welches 374 jüdische Einwohner zählte. Den Pogrom haben nur 20 Männer überlebt! Die Leiter des Rownoer Joint-Comitees empfehlen mir, den Ort zu besuchen und die medizinische Mission, die Amerika entsandt hat, lädt mich ein, sie zu begleiten. Doch ist das Städtchen schwer zu erreichen und Fortautomobile sind nicht immer verlässlich. Ich habe aber Gelegenheit, in einerr Nachbarstadt Schatzker Flüchtlinge zu sprechen. Ihre Häuser sind zerstört, die Ernährer der Familien sind erschlagen. So vegetieren sie überall im Kowler Kreis, einer ungewissen Zukunft entgegensehend. Denn von einem Wiederaufbau ist noch lange keine Rede... ' Das Zimmer füllt sich mit Bittstellern, man wird eingesponnen in zertrümmerte Menschenschicksale und immer tiefer wird die Erkenntnis, dass nur die vereinigte Hilfe der ganzen Welt Gedeihliches schaffen kann. Hat uns schon in Warschau der Fall einer geschändeten Sechzehnjährigen zutiefst erschüttert, die sich dann doch vom neugeborenen Kind nicht trennen will, so vernehmen wir hier, dass soeben 2 Frauen und 1 Mädchen in ein Spital geschickt werden müssen, weil sie — nach langer Seelenpein zwar, aber notgedrungen doch melden mussten, dass sie venerisch krank seien. Das Mädchen ist •13 Jahre alt! An 60 Frauen und Mädchen teilen ihr Schicksal: Infektion durch die Pogrombestien. Gräfin K. erzählt mir auf der Reise, dass Ueberreste dieser Banditenarmee, Offiziere, in Polens Hauptstadt wüste Orgien feiern, dass auch Damen der russischen Gesellschaft die Gelage mitmachen und diese „Retter Russlands“ allgemeinen Abscheu erregen. Die Dame, die darauf hin weist, dass Polens Frauen im Zeitalter von Polens Knechtschaft hundert Jahre getrauert und für das Vaterland gewirkt haben, findet die richtige Bezeichnung für diesen Auswurf der Menschheit, der auf mehr als hundert Orte losgelassen, in jüdischem Blute gewatet und sich mit jüdischem Gut gesättigt hat. ' Es ist fast unbegreiflich, wie menschliche Hirne solche Bestialitäten ersinnen und kalten Blutes Pein und Qual für Unschuldige erdenken konnten, die nichts verbrochen haben.