Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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56 Das ewige Martyrium. vom eigenen Töchterchen Qrüsse bringt. Noch zusehr liegt ihr der Schrecken in den Gliedern von jenen Tagen eines wüsten Neujahrsfestes. Die kleine Widme erzählt. Bei uns erzählen solche Kinder liebliche Geschichtchen und singen fiöhliche Lie der. Wichne erzählt auch eine gar seltsame Geschichte, die sich tief, tief ins Gedächtnis gräbt. Und das ist die Geschichte, die auf diesen Kinderjahren lastet: „Ich bin sieben Jahre alt. Ich habe zwei grosse Brüder und zwei Schwestern und noch ein Brüderchen. Eine Schwester hat zwei Kinder. Ihren Mann hat man erschlagen. Mutter ist im Dorf, sie hat Sachen hingetragen, Ringe und anderes und bringt dafür Kartoffel. Wir wohnen alle beim Nachbarn hier in der Stube. Das erste Mal, als die Soldaten zu uns nach Kremno kamen, versteckten wir uns im Wald. Dann kamen wieder Soldaten und Bauern vom Dorf. Vater hat gehandelt mit Viehstücken. Da kamen zwei Soldaten herein und riefen ihn hinaus. Er kam in die Stube und sagte, sie wollen ihm töten, nahm er Abschied von uns und draussen haben sie ihn auch erschossen. Wir liefen alle in den Wald, dort waren viele Juden und Kinder. Als wir wiederkamen, wohnten wir in fremder Stube. Unser Haus war zerbrochen. Am Weg hat man von meinem Bruder Geld gefordert und hat ihn erschossen. Den Mordche Ingber haben sie zwischen zwei Bretter gebunden, ihn mit Stroh umwickelt und ihn in sein brennendes Haus geworfen. Ist er entlaufen, haben sie ihn gepackt und ganz verbrannt. Des Nachts zogen sie ab und schossen in die Fenster und morgens liefen wir davon Zwei Tage gingen wir und zwei Nächte. Ich war sehr hungrig und fürchtete mich, aber wir liefen sehr. Meinen Onkel und seine beiden Söhne haben sie auch erschlagen. Jetzt wohnen wir hier. Ich habe vom Komitee Schuhe bekommen und einen Mantel, den Mantel habe ich dem Bruder gegeben. Mutter gibt morgens e in Stückchen Brot zum Essen, für Mittag nehme ich in der Küche in der Stadt Suppe mit Bohnen, aber wir wärmen sie erst zum Abendessen und bis dahin essen wir wieder Brot mit nichts. Jetzt musss ich wirklich das Essen wärmen und aut mein Brüderchen acht geben. Ich möchte schon gerne wegfahren von hier, aber mit allen Verwandten zusammen“... Wichne reicht mir ihr mageres Händchen zum Abschied. Sie hört, dass sie für Ostern ein Kleid bekommen wird, aber glaubt es kaum ... Durch die winzigen Fensterscheiben schickt der gewaltige ukrainische Himmel ein Funkeln seiner Millionen Sterne. Ich bleibe allein mit dem Schicksal der kleinen Wichne und habe Müsse, Kinderjahren nachzusinnen. Sieben Jahre -- Kindheit — die Zeit von Freude und Glück, von Lachen und Spielen ... Und die Schatten der unendlich stillen ukrainischen Nacht irren über den tiefen Abgrund, welcher sich breitet zwi-