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Juedischer Almanach für Gross-Rumänien · 1922-01-01 · 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI · p. Seite 54

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Journal
Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
Volume
1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
Date
1922-01-01
Page
Seite 54 (sequence 60)
Language
German
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IRI
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54 Die Juden in Großrumänien und der Minoritälenschutz. pen herzugeben. Wenn die wahre Demokratisierung der Gesetzgebung und Verwaltung realisiert sein wird, dann werden Sonderbestimmungen zum Minderheitsschutz gegenstandslos sein. Dr. Markus Krämer, Czemowitz. Das ewige Martyrium. Kleine Bilder der großen Zerstörung.*) Viel hat die Welt schon von der ukrainischen Hölle vernommen, in der ein Volk täglich mit Hunger und Tod ringt. Wie man interessanten Geschichten zuhört, die irgendwo, irgendwann sich zugetragen haben, die ein Gruseln hervorrufen, im Grunde aber so nahe gehen, als geschähen sie irgendwo „weit hinten in der Türkei“. Weit, weit ist die Welt noch von der tiefen Erkenntnis einer Verpflichtung, so grosse Teile eines Volkes nicht sterben zu lassen; von der Verpflichtung, die letzten Wünsche der Gemordeten zu erfüllen. Eine erschreckende Gleichgültigkeit waltet allenthalben. Dicke Bücher müssten geschrieben werden. Menschen müssten sie schreiben mit ungeheuerer Macht der Sprache, mit ungeheuerer Wucht des Ausdruckes, um das Gewissen einer verkommenden Welt aufzupeitschen. Mitten aber im Wandel des schaudervollen Geschehens können wir nur kleine Bilder zeichnen von der grossen Zerstörung. Wer noch' schauen kann, wird selbst weiter zeichnen und ein Ahnen wird ihm kommen von dem, was diese Bilder nur schattenhaft und in schwachen Umrissen malen können. — * Aus meinen flüchtigen Aufzeichnungen auf meinen mehrmaligen Reisen durch die von Polen okkupierten ukrainischen Grenzgebiete. Als ich im Jänner 1921, anläßlich einer Sitzung der Exekutive der jüdischen Welthilfskonferenz in Paris, als Mitglied ihres Zentralrates dem Ersuchen willfahrte, in ehrenamtlicher Funktion über die Möglichkeiten einer Pogrom-Waisenfürsorge in jenen Gebieten Erhebungen zu pflegen, wußte ich nicht, daß ich mehr als ein halbes Jahr dabei verbringen urd in dieser und der Flüchtlingsfürsorge mich plötzlich als „Gefangener meiner Arbeit“ sehen werde. Wenn ich, vom Erlebten zutiefst erschüttert, durch meine unter den ersten Eindrücken publizierten Berichte zu größeren Hilfsaktionen anregen durfte (selbst Wien, das selbst so wenig besaß, hat sich dann {unter Führung des Oberrabbiners Dr. H. P. Chajes und des Kultuspräsidenten Professor Doktor Pick sowie des ausgezeichneten Vertreters der Künstlerschaft, Pianisten Professor Juliusz W o 1 f s o h n] in grandioser Hilfsbereitschaft am Hilfswerke beteiligt) so habe ich mich glücklich gefühlt, wenigstens einen Teil der Pflicht zu erfüllen, die der ganzen jüdischen Welt erwachsen ist, die das Erbe der Pogromopfer zu wahren hat Und wenn diese flüchtigen Bilder hier und dort auch nur einzelne eingeschläferte Gewissen wachrütteln sollten, so werden sie ihren Zweck erfüllt haben.

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