Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Journal
- Juedischer Almanach für Gross-Rumänien
- Volume
- 1. Jahrgang = 1922/23 Exemplar LBI
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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- Haifa 1× ep/1047930
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46 Tagebuch einer Paläsiinafahrf. Man arbeitet noch immer. Das Meer liegt blau da. Vor uns ist Haifa, überhöht vom Karmel, links der Palmenstrand, dann Akko ... Heute Nacht geht das Schiff weiter. Morgen früh sind wir in Jaffa. Jerusalem, den 25. Mai 1922. Eine ganze Woche ist seit meiner letzten Eintragung vergangen. Eine sehr inhaltsreiche Woche. Am Freitag gingen wir in jaffa an Land. Leiter der Immigrationskommission ein englischer Jude (ganz englischer Typus dabei); es wurde fast durchwegs hebräisch (oder für jene, die nicht hebräisch verstanden, jidisch) amtiert. Und nun erst am Land, in der Quarantänestation: der Polizist in seiner schmucken Uniform spricht hebräisch (nach Bedarf auch jidisch, er ist ein ehemali ger Legionär, der während des Krieges unter englischem Kommando in Palästina kämpfte), der Quarantänearzt spricht hebräisch, die Beamten hebräisch, man telephoniert hebräisch — ein ganz eigentümliches Gefühl ergreift einen. Auch ich radebreche hebräisch — man kann nicht anders. Dr. W. wird von seinem Bruder erwartet. Die P’s von ihrem Vater — es gibt eine sehr rührende Szene. . . Alle Formalitäten sind bald erledigt. Das Gepäck kann inan aber nicht bekommen. Heute ist nämlich Freitag, da arbeiten die mohamedanischen Lastträger nicht, morgen ist Samstag, da arbeiten die Juden nicht und Sonntag die Christen nicht. Obwohl ich ursprünglich die Absicht hatte ,direkt nach Jerusalem zu fahren, muss ich daher bis Montag in Jaffa auf die Zollrevision warten. Mrs. W. besteht nun unbedingt, dass ich diese Tage bei ihrem Schwager in Tel-Aviv verbringe und ich bekomme so sofort einen Begriff dieser schrankenlosen palästinensischen Gastfreundschaft, von der man sich in Europa gar keine Vorstellung machen kann. — Wir nehmen einen Wagen und sind in weniger als einer halben Stunde in Tel-Aviv... Nun, Tel-Aviv ist ein wahrer Traum. Wenn man mit noch so weit reichenden Vorstellungen, geschöpft aus Lektüre, Beschreibungen etc. hinkommt, so ist man doch überwältigt. Eine ganz moderne, reizend hübsche Villenstadt — und ganz und gar jüdisch, von A bis Z. Etwas, was es sonst in der ganzen Welt nicht gibt, was es noch nie gegeben hat; denn die alten hebräischen Städte von vor 2000 Jahren, waren natürlich nicht das, was Tel-Aviv ist, mit seinen Autos, seiner elektrischen Beleuchtung, seiner Wasserleitung etc. — Die Post amtiert hebräisch, die Polizei ist jüdisch, im Autoomnibus erhält man auf hebräisch seine Karte, beim Greisler kauft man auf hebräisch ein — und bei all dem alles so nett, sauber, in hübscher westlich-grossstädtischer Aufmachung — durchaus nicht